Kathi ist im Alter von 24 Jahren aus ihrem Elternhaus in eine eigene, barrierefreie Wohnung umgezogen.
In den ersten Jahren erhielt sie Unterstützung von ihrer Familie.
Im Herbst 1999 wurde der Verein selbst e.V. gegründet – unter anderem von Kathis damaliger Freundin, der Sozialarbeitern Petra Rieth (verstorben 2018), dem Sozialarbeiter Hannes Heiler, dem evangelischen Pfarrer Hans-Georg Friedrich-Döring, weiteren Menschen mit Behinderung, darunter auch Kathi.
Ziel des Vereins ist es, schwerbehinderten Menschen mit Hilfe von Assistenzkräften ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen.
Bereits vor der Vereinsgründung hatte Petra Rieth Kathi angesprochen, ob sie nicht unabhängig von der Hilfe der Familie leben wolle.
Im Jahr 2000 begann der Verein mit seiner praktischen Arbeit und Kathi war die erste Kundin. Ihr Hilfebedarf in den Bereichen Pflege, Hauswirtschaft und Freizeitgestaltung wurde ermittelt, Kostenträger war damals die Stadt Frankfurt.
Der Weg zur passenden Assistenz:
Um geeignetes Personal zu finden, schaltete selbst e.V. Inserate, in denen die Anforderungen an die gesuchten Assistenzkräfte beschrieben wurden.
Kathis Worte dazu: „Da ich zu der Zeit noch berufstätig war, war es sehr wichtig, dass die erste Kraft am Tag ihren Dienst bereits um 5:00 Uhr morgens beginnen konnte.“
Die Assistent:innen sind meist Laienkräfte, eine pflegerische Ausbildung ist keine Voraussetzung.
Für spezielle medizinische Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Verabreichen von Spritzen, muss normalerweise ein Pflegedienst hinzugezogen werden.
In Kathis Fall dürfen die Assistenzkräfte – auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin – das Insulin spritzen.
Selbstbestimmung bei der Auswahl der Assistenzkräfte:
selbst e.V. führt eine Kartei, in der die potenziellen Kräfte mit ihren Wünschen und Vorstellungen gelistet sind.
Gemeinsam mit dem Kunden wird geschaut, wer am besten zu wem passen könnte.
Die endgültige Entscheidung trifft der behinderte Mensch nach einem persönlichen Vorstellungsgespräch.
Bei Kathi ist es mittlerweile so, dass neue Assistenzkräfte häufig durch Empfehlungen aus dem bestehenden Team zu ihr kommen.
Heute leitet Kathi ihren eigenen kleinen Betrieb:
Kathi beschäftigt eine Vollzeitkraft und acht Minijobber:innen, für die sie die Koordination übernimmt. Das bedeutet unter anderem, dass sie spätestens zehn Tage vor Beginn des neuen Monats einen Dienstplan erstellt. Es ist eine knifflige Angelegenheit, da sie die Arbeitszeiten der Minijobber:innen in deren Hauptberufen berücksichtigen muss.
Während die Assistenzkräfte ihre geleisteten Stunden in eine Arbeitszeiterfassung eintragen, wird die formale Abrechnung durch die Buchhaltung von selbst e.V. erledigt.
Bei der Einteilung der Dienste achtet Kathi ebenso auf die individuellen Fähigkeiten, Interessen und die körperliche Belastbarkeit jeder Person. So begleitet sie eine Kraft besonders gerne zu abendlichen Freizeitaktivitäten, während ein männlicher Assistent sie gezielt bei der Nutzung des ÖPNV unterstützt.
Kathis Worte dazu: „Die Planung erfordert ein hohes Maß an Organisationstalent. Insbesondere bei Krankheit der Assistent:innen muss ich sehr schnell umdisponieren.“
Zu den Assistenzkräften pflegt Kathi ein individuelles Verhältnis. Die Balance zwischen der persönlichen Nähe im Alltag und der Rolle als Arbeitgeberin sei ihr aber bisher sehr gut gelungen.