10 Jahre Kulturtipp

Im Juli 2008 ging der 1. Kulturtipp online: Ein Ausflug nach Rheinhessen

Über 10 Jahre wurde jeden Monat ein Beitrag eingestellt: Literatur-Empfehlungen, Ausflugsziele, Museen, Kochrezepte, Gedichte und vieles mehr. 

Nehmen Sie sich die Zeit und stöbern sie durch das vielfältige Angebot.

 


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Kulturtipp November 2017

Ghana Taler 

 

Ich backe jedes Jahr nur eine Sorte Plätzchen, und ohne die wäre Weihnachten nur halb so schön: meine geliebten Ghana Taler! Während meiner Zeit in USA durfte ich nur nie vergessen, Hagelzucker ins Land zu schmuggeln, denn das kannten sie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht… 🙂

Okay, los geht’s…

 

 

Zutaten:

Für den Teig:

  • 250 g Mehl

  • 250 g Zucker

  • 50 g Kakao

  • 1 Päckchen Vanillezucker

  • 1 TL Backpulver

  • 1 TL Zimt

  • 200 g gemahlene Mandeln

  • 200 g Margarine

  • 1 Ei

Für die Verzierung:

  • Dosenmilch

  • Hagelzucker

 

Zubereitung:

  • Mehl, Zucker, Kakao, Vanillezucker, Backpulver, Zimt und Mandeln in einer Schüssel gut vermengen

  • Margarine und Ei hinzugeben und den Teig so lange kneten, bis man einen glänzenden Ball in Händen hält

  • Teig ausrollen und runde Plätzchen ausstechen oder Teig in Rollen formen und Scheiben abschneiden

    (ich ziehe inzwischen letzteres vor, weil der Teig ziemlich störrisch ist)

  • Plätzchen auf ein Backblech mit Backpapier setzen, mit Dosenmilch bepinseln und mit Hagelzucker verzieren

  • Backzeit: 12 Minuten bei 180 Grad

 

(Thomas Walz)




Kulturtipp Oktober 2017

Martin Luther (1483-1546)

 

Leben

Als erster (oder zweiter) Sohn von Hans und Margarethe Luder (ab 1512 schrieb er seinen Nachnamen „Luther“, vermutlich nach dem griech. Wort Eleutheros = der Freie) wurde Martin in Eisleben geboren, verbrachte aber seine ersten Lebensjahre in Mansfeld, wo der Vater, ein Bergmann, Hüttenmeister war. Er besuchte zunächst die Mansfelder Stadtschule und danach die Magdeburger Domschule. Von 1498 bis 1501erfolgte der Besuch der Pfarrschule zu St. Georgen in Eisenach, bevor er sein Studium an der Universität Erfurt begann (Septem artes liberales – Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie), das er 1505 mit dem „magister artium“ abschoss. Im gleichen Jahr begann er ein Studium an der juristischen Fakultät.

Am 2. Juli 1505 kehrte er von einem Besuch bei seinen Eltern nach Erfurt zurück und geriet bei Stotternheim in ein Gewitter. Aus Angst flehte er in Todesangst die heilige Anna um Hilfe an und versprach, Mönch zu werden, sollte er dieses Unwetter überstehen. Bereits am 17. Juli 1505 trat er in das Konvent der Augustiner Eremiten ein und befolgte die Regeln dort so streng, dass er bereits am 4. April 1507 zum Priester geweiht wurde. Luther beschäftigte sich eingehend mit dem Thema der Buße, vor allem mit der Problematik, dass wahre Vergebung nur aus Reue und Liebe zu Gott erfolgen müsse, nicht aber aus Angst vor Gottes Strafe. Sein Beichtvater Johann von Staupitz empfahl ihn daraufhin für ein Theologiestudium und versetzte ihn 1508 nach Wittenberg. Dort lernte er die Theologie Wilhelm von Ockhams über die Gottesfreiheit und menschliche Willensfreiheit, sowie die Kirchenväter (vor allem Augustinus) kennen.

Als Schlüsselerlebnis gilt die 1510/1511 angetretene Romreise (Grund hierfür war wohl die Klärung eines ordensinternen Unionstreites), in deren Rahmen er seine dritte Generalbeichte ablegte und auf Knien die „Heilige Treppe“ am Lateran zur Sündenvergebung erklomm. Hier dürften erste Zweifel an der kirchlichen Ablasspraxis entstanden sein.

1512 wurde Luther zum Doktor der Theologie promoviert und übernahm die Position seines Lehrers von Staupitz, eine Professur in Bibelauslegung, die er bis zu seinem Tode innehatte. 1514 wurde er Provinzialvikar. Luther hielt in dieser Zeit Vorlesungen über die Psalmen und die Paulusbriefe; in seiner Beschäftigung mit Röm 1.17 wird heute die Reformatorische Wende gesehen. Aus diesem Vers leitet Luther hat, das sich die Gerechtigkeit Gottes, „allein aus dem Glauben“ ableite. Gottes Gerechtigkeit ist ein Geschenk der Gnade, dass den Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus zuteilwerde.

Ab 1516 setzt sich Luther auch kritisch mit dem Ablass auseinander. Der Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg hatte eine Instructio summarium herausgegeben, eine Anweisung für Ablassprediger. Mit einem Teil der Ablassgelder wollte Albrecht seine Schulden bei den Fuggern bezahlen, die ihm das Kurfürstenamt finanziert hatten. Dies fand seinen Höhepunkt in Luthers 95 Thesen, die er am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schloßkirche von Wittenberg anschlug. Luther protestiert darin weniger gegen die Finanzpraktik des Ablasses (diese mißfiel auch Teilen der Fürsten) sondern gegen die damit verbundene Auffassung der Bußgesinnung.

Albrecht von Mainz, inzwischen Kardinal, zeigte Luther an, was im Oktober 1518 schließlich zum römischen Prozess führte, der, Dank des Einsatzes von Friedrich dem Weisen, nicht in Rom, sondern im Rahmen des Reichtstags in Augsburg stattfand. Luther weigerte sich jedoch zur Widerlegung und konnte sich nur mit Hilfe von Friedrich einer Verhaftung entziehen. Nach dem Tod Kaiser Maximilians 1519 ließ der Papst zunächst den Prozess ruhen (er wollte die Kaiserwahl abwarten). Trotz einer Thesenverteidigung Luthers im Rahmend der Leipziger Disputation und einer weitern Befragung durch Thomas Cajetan kam man zu keinem Ergebnis. Nach der Krönung Karl V. zum Kaiser wurde der Prozess gegen Luther 1520 wieder aufgenommen. Hatte sich Luther, dem Häresie vorgeworfen wurde, bis dahin noch nicht ausdrücklich gegen das Papsttum gestellt, spitze sich die Lage 1520 jedoch zu. Nach der Verbrennung der Schriften Luthers durch Albrecht reagierte Luther mit einer Verbrennung der gegen ihn gerichteten Bannandrohungsbulle von Papst Leo. Am 3. Januar 1521 wurde der Bann (Exkommunikation) ausgesprochen.

Wieder war es Friedrich der Weise, der sich für Luther einsetzte und ihm eine Verteidigung seiner Thesen auf dem Reichstag zu Worms ermöglichte, was am 17. April 1521 geschah. Die Aufforderung nach Widerruf quittierte Luther mit der Antwort: „[Da] mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, ich kann und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“ Über Luther wurde die Reichsacht verhängt; zu seinem Schutz ließ ihn Friedrich durch seine Soldaten am 12. Mai entführen und auf die Wartburg bringen, wo er bis März 1522 als „Junker Jörg“ blieb. Er begann mit der Bibelübersetzung.

Die ab 1521/22 einsetzenden Auswirkungen der Reformation entsprachen in vielen Dingen jedoch nicht Luthers Absichten. Weder vollzog er einen radikalen Bruch mit den katholischen Gottesdienstformen (mit einigen, allerdings entscheidenden, Abwandlungen behielt er sie sogar bei) noch beabsichtigte er Sozialreformen (im Gegensatz zu seinem Schüler Thomas Münzer, der sich den Bauernaufständen anschloss). Es kam zu Unruhen unter den Geistlichen , Mönchne und Nonnen flohen aus ihren Klöstern, auf Geistliche des alten Glaubens gab es übergriffe. Luther setzte sich dafür ein, dass die sog. „Zwickauer Propheten“ (zu ihnen gehörte Nikolaus Storch), die in Wittenberg die Reformation in ihrem Sinne vorantrieben wollten, die Stadt wieder verlassen mussten. 1524 gab Luther sein Mönchsleben auf, am 29. Oktober 1525 feierte er erstmals eine Deutsche Messe, bereits am 27. Juli 1525 hatte er die ehemalige Zisterzienserin Katharina von Bora geheiratet.

Spätestens durch die Bauernkriege 1524/1525 war die Reformation zum Politikum geworden (die Bauern hatten sich mit ihren 12 Thesen auf Luther berufen, was diesem nicht gefiel). Der Umgang mit den beiden Glaubensrichtungen gestaltete sich als schwierig. Auf dem Reichstag zu Speyer 1529 wollten die katholischen Reichsstände die Duldung der Evangelischen aufheben, wogegen fünf Fürsten und 14 Städte Protest einlegten – daher auch der Name „Protestanten“. Erst durch die „Confessio Augusta“, die Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 überreicht wurde, und an der Luther von der Veste Coburg aus mitwirken konnte (Hauptverantwortlicher war Philipp Melanchthon), konnte eine Konsolidierung der Reformation erreicht werden.

Während seiner letzten Lebensjahre war Luther hauptsächlich als Dozent und publizistisch tätig. Er starb am 16. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben.

 

Theologie

Die komplexe Theologie Luthers lässt sich systematisch oft mit dem vierfachen Sola/Solus zusammenfassen:

  • solus Christus: „Allein Jesus Christus“, der wahre Mensch und wahre Gott, schaffe durch seine stellvertretende Hingabe am Kreuz ein für alle Mal des Glaubenden Rechtfertigung und Heiligung, die ihm im mündlichen Evangelium und im Sakrament des Abendmahls zugeeignet werde. Dies ist der tragende Grund der übrigen drei Prinzipien:
  • sola gratia: „Allein durch Gnade“ ohne jedes eigene Zutun werde der Mensch von Gott gerechtfertigt.
  • sola fide: „Allein durch den Glauben“, die geschenkte (nicht geleistete) Annahme Jesu Christi, komme unser Heil zustande.
  • sola scriptura: „Allein die Heilige Schrift“ sei die Quelle dieses Glaubens an und Wissens von Gott und daher der kritische Maßstab allen christlichen Redens und Handelns. Sie sei aber von ihrer „Mitte“ Jesus Christus her kritisch zu beurteilen

 

Bibelübersetzung:

Zwischen 1521 und 1534 entstand die vollständige Übersetzung des Alten- und Neuen Testaments durch Martin Luther bzw. durch die Unterstützung seiner Kollegen und Schüler. Zwar war Luther nicht der erste, der die Bibel ins Deutsche übertrug, es existierten bereits 14 deutschsprachige Übersetzungen, diejenige Luthers unterscheidet sich vor allem in zwei Punkten:

  1. Als Quellen verwendete Luther in erster Linie die griechischen und hebräischen Originaltexte anstatt der lateinischen Vulgata, die er aber auch zurate zog.
  2. Ihm war weniger an einer Wort-für-Wort-Übersetzung als an einer sinnvollen Übersetzung gelegen (orientiert an seinen theologischen Vorstellungen). Dadurch wurde es ihm möglich in einer möglichst allgemein verständlichen Sprache zu übersetzen.

Zu letztgenanntem Punkt schreibt Luther in seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“ (1530): „Man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll Deutsch reden, wie diese Esel tun, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen; da verstehen sie es denn und merken, daß man deutsch mit ihnen redet.“ Hieraus leitet sich der Ausspruch: „dem Volk aufs Maul schauen“ ab. Darüber hinaus hat Luther für seine Bibelübersetzung Worte erfunden, die heute noch in unserem Sprachgebrauch existieren: „Feuertaufe“, „Bluthund“, „Selbstverleugnung“, „Machtwort“, „Schandfleck“, „Lücken-büßer“, „Gewissensbisse“, „Lästermaul“ und „Lockvogel“. Auch metaphorische Redewendungen wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „etwas ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im Schafpelz“ und „der große Unbekannte“ gehen auf ihn zurück.

 

Liturgie

Diese Verständlichkeit wollte Luther auch in die Liturgie übertragen, weshalb er die Form der Deutschen Messe schuf, die in weiten Teilen die damalige Form der römisch-katholischen Liturgie beibehält. Sein Verständnis des „Abendmahls“ vertritt, ebenso wie die Eucharistie, die Gegenwart Gottes in Wein und Brot, allerdings ohne das katholische Meßopfer zu übernehmen. Auch musikalisch ging Luther neue Wege (er selbst war ein guter Sänger und Lautinist, zu vielen seiner Lieder, 36 sind noch erhalten, komponierte er selbst die Melodie). Sie sollten sowohl inhaltlich verständlich sein (also in deutscher Sprache), aber auch vom Musikpraktischen her gut darzustellen sein.

 

(Autor: Lutz Riehl, Abschnitt über Theologie aus Wikipedia)




Kulturtipp September 2017

Karl May (1842-1912)

Carl Friedrich May wurde am 25. Februar 1842 in Ernstthal als fünftes von vierzehn Kindern geboren, von denen neun Kinder die ersten Lebensmonate nicht überlebten. In den ersten fünf Jahren seines Lebens soll Karl May blind gewesen und von dem Gynäkologen Carl Friedrich Haase erfolgreich behandelt worden sein (Karl Mays Mutter hatte bei Haase einen Hebammenkurs absolviert). Der Vater Heinrich August May wollte, dass sein einziger Sohn bessere Chancen bekäme als er und zwang ihn, ganze Bücher abzuschreiben und sich mit wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen. Von 1848 bis 1856 besuchte May die Volksschule in Enrstthal. Darüber hinaus erhielt er Unterricht In Klavier, Orgel und Musiktheorie bei dem Kantor Samuel Strauch, bei dem er auch Kompositionsstudien betrieb. Als Zwölfjähriger arbeitete May als Kegeljunge und begegnete in diesem Zusammenhang erstmals Rückkehrern aus den Vereinigten Staaten.

1856 trat May als Proseminarist ins Lehrerseminar in Waldenburg ein, von dem er im Januar 1860 wegen Unterschlagung von sechs Kerzen ausgeschlossen wurde. Über den Gnadenweg konnte er am Lehrerseminar in Plauen seine Ausbildung fortsetzen und im September 1861 mit der Gesamtnote „gut“ abschließen. Nach einer kurzen Tätigkeit als Hilfslehrer in Glachau wechselte er an eine Fabrikschule in Altchemnitz. Bereits zwei Monate später wurde May von seinem Zimmergenossen wegen Diebstahl angezeigt und zu sechs Wochen Haft verurteilt. Als Vorbestrafter wurde er aus der Liste der Lehramtskandidaten gestrichen und war somit arbeitslos.

Trotz seines Versuches, auf legale Weise Geld zu verdienen (er arbeitete als Chorleiter und Musiklehrer in seinem Geburtsort Enstthal), geriet May auf die schiefe Bahn und hielt sich mit Diebstahl, Betrug und Hochstapelei über Wasser. Nachdem er 1864 unter falschen Namen Betrügereien beging (u. A. erwarb er ohne zu bezahlen in Leipzig einen Pelz, den er im Pfandhaus versetzte) wurde er zu vier Jahren Arbeitshaus verurteilt, die er auf Schloss Osterstein bei Zwickau ableistete. Ein bürgerliches Leben zu führen gelang ihm jedoch danach nicht, wieder schlug er sich mit Diebstahl und Betrug durch. 1870 wurde er im böhmischen Niederalgersdorf wegen Landstreicherei verhaftet. Zwischen 1870 und 1874 wurde saß er im Zuchthaus Waldheim ein, wo sich nach eigenen Aussagen wohl auch ein innerer Wandel vollzog. In diesem Zusammenhang betonte May die Bedeutung des dortigen Anstaltskatecheten Johannes Kochta.

Nach seiner Haft kehrte May zu seinen Eltern nach Ernstthal zurück und widmete sich ab 1875 der Schriftstellerei (Die Rose von Ernstthal). Bereits vor seiner Haft hatte May den Dresdner Verleger Heinrich Gotthold Münchmayer kennengelernt, der ihn nur als Zeitungsredakteur in seinem Verlag anstellte. Für verschiedene dort erscheinende Zeitschriften gab er dort Erzählungen in Fortsetzungen heraus. Ab 1878 arbeitete May als freier Schriftsteller und zog mit seiner Freundin Emma Pollmer nach Dresden. 1879 wurde er zu drei Wochen Arrest im Zuchthaus Stollberg verurteilt (Vorwurf der Amtsanma0ung). Im gleichen Jahr erhielt er von der katholischen Wochenzeitung Deutscher Hausschatz das Angebot, seine Geschichten dort zu veröffentlichen, doch auch bei anderen Zeitungen brachte er Veröffentlichungen unter.  Er publizierte seine Beiträge unter den unterschiedlichsten Pseudonymen, auch um sich seine Texte mehrfach honorieren lassen zu können. Ab 1882 kam es zu einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Verleger Münchmayer, es entstand der Kolportageroman Das Waldröschen, der erfolgreichste Beitrag in dieser Gattung im Deutschland des 19. Jahrhunderts.

1891 zog May nach einer kurzen Episode in Kötzschenbroda nach Oberlößnitz. Im gleichen Jahr lernte er den Jugendverleger Friedrich Ernst Felsenfeld kennen, der ihn dazu ermunterte, seine Erzählungen in Buchform herauszubringen. Mit Carl May’s gesammelten Reiseromanen (bzw. Karl Mays gesammelte Reiseerzählungen) erlangte May erstmals auch finanziellen Erfolg. In dieser Zeit entstanden auch die berühmten Erzählungen um Old Shatterhand und Winnetou. In der Figur des Old Shatterhand sah Karl May sich selbst und präsentierte seine Erzählungen als eigene Erlebnisse. Er ließ sich sogar entsprechende Kleidung und die in seinen Romanen beschriebenen Waffen (Bärentöter, Henry-Stutzen und Silberbüchse) anfertigen. Die Figur des Old Shatterhand ist auch identisch mit der des Kara Ben Nemsi aus dem Orient-Zyklus. Dieses Annehmen einer anderen Identität verweist auf Karl Mays kriminelle Vergangenheit, in der er dies auch mehrfach tat. Während seiner schriftstellerischen Tätigkeit wurde er mit Plagiatsvorwürfen (Übernahmen aus Erzählungen von Friedrich Gerstäcker) konfrontiert, auch führte er unrechtmäßig einen Doktortitel, was er später aber unterließ.

1896 bezog Karl May die Villa Shatterhand in Radebeul. In den Jahren 1899 und 1900 bereiste er den Orient (und musste erkennen, dass es zwischen seinen Schilderungen und der Realität starke Differenzen gab, was zu zwei Nervenzusammenbrüchen führte), 1908 reiste er mit seiner zweiten Ehefrau zu einem sechswöchigen Aufenthalt in die USA. In seinen letzten Lebensjahren widmete sich May beim Schreiben verstärkt einem literarischen Ansatz, der auch Weltanschauungsthemen (die drei Fragen der Menschheit: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?) beinhalten sollte, auch war er ein Verfechter des Pazifismus. Am 22. März 1912 hielt er einen entsprechenden Vortrag mit dem Titel Empor ins Reich der Edelmenschen in Wien. Nur eine Woche später, am 30. März 1912, starb Karl May in Radebeul.

Karl May gehört zu den am meisten gelesenen Schriftstellern in deutscher Sprache und auch zu den am meisten übersetzten deutschen Schriftstellern. Die Auflage seiner Bücher beträgt 200 Millionen, davon die Hälfte im deutschsprachigen Raum. Sein erfolgreichstes Buch ist Der Schatz im Silbersee von 1890/1891.

 

Karl May und die Musik

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit besaß Karl May auch auf musikalischem Gebiet Talent. Seine Ausbildung in diesem Bereich lässt sich durchaus als solide bezeichnen; als Kind erhielt er in seiner Heimatgemeinde Unterricht in Orgel, Klavier, Violine und Musiktheorie beim örtlichen Kantor Samuel Friedrich Strauch. May assistierte ihm auch beim Abschreiben und Einrichten von Chornoten und wurde im Gottesdienst als Vorsänger eingesetzt. Im Rahmen seiner Lehrerausbildung erhielt er auch Musikunterricht, was in seinem Abschlusszeugnis vermerkt ist.

Nach seiner Entlassung aus dem Schuldienst wurde er 1863/64 Leiter des Männerchores Lyra in Ernstthal, hier entstanden seine ersten Chorkompositionen. Während seines ersten längeren Haftaufenthaltes in Zwickau wurde er in der Bläserkapelle und im Chor der Gefängniskirche eingesetzt (in dieser Zeit, vermutlich 1867, entstand seine Weihnachtskantate für Männerchor). In den Jahren seines zweiten Haftaufenthaltes in Waldheim wurde er Organist an der Gefängniskirche und begleitete sowohl die evangelischen als auch die katholischen Gottesdienste, was ihn besonders beeindruckte.

Auch während seiner Zeit als Schriftsteller blieb er der Musik treu, so ist überliefert, dass er mit seinem Verleger Münchmeyer gemeinsam musizierte. 1895 schrieb er im Rahmen der Arbeit an den Winnetou-Büchern seine berühmteste Komposition Es will das Licht des Tages scheiden – Ave Maria, zu dem er Text und Musik schrieb. May schrieb es in zwei Fassungen, einmal für Männerchor, einmal für gemischten Chor. Seine Bekanntheit verdankt das Lied jedoch seinem Auftauchen in der Sterbeszene Winnetous (Winnetou III). Der sterbende Häuptling wünscht sich, dass ihm dieses Lied, dass er bei deutschen Siedlern kennengelernt hat, noch einmal vorgesungen wird. Auch heute noch gehört dieses Lied zum Repertoire vieler Chöre. Darüber hinaus lieferte May auch Beiträge zur Hausmusik, etwa die musikalische Posse Die Pantoffelmühle. Hinzu kommen zahlreiche Schilderungen vom Musik in Karl Mays Erzählungen.

Karl Mays musikalisches Schaffen ist durchweg der Gebrauchsmusik zuzurechnen. Hier befindet er sich allerdings auf der Höhe seiner Zeit. Wenngleich die Texte und die Musik heute allzu romantisch und verkitscht wirken mögen, trafen sie jedoch den Nerv des 19. Jahrhunderts. Die Chorlieder sind durchaus mit denen von Friedrich Silcher vergleichbar. Wenngleich bereits in den 1920er Jahren Karl May als Musiker wiederentdeckt wurde, bildete erst die Veröffentlichung der Schallplatte Ernste Klänge, die 1972 zum 60. Todestag des Schriftstellers erschien einen Durchbruch. Durch sie wurde das Ave Maria einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und bald schon von berühmten Chören wie dem Dresdner Kreuzchor oder der Gächinger Kantorei aufgeführt. 

 

Text: Lutz Riehl




Kulturtipp August 2017

Wacken Open Air

Mein zweites Wacken Open Air und da war sie endlich, die versprochene Schlammschlacht. Vor drei Jahren war es heiß und staubig und beim Nase putzen hatte man immer das Gefühl, dass der ganze Platz mit rauskommt. Aber man blieb zumindest trocken. Das war dieses Jahr ganz anders: spätestens nach dem ersten heftigen Regenguss verwandelte sich das Areal in eine fast durchgängige Schlammwüste. Bisweilen steckte man bis zu den Knöcheln, oftmals auch tiefer in brauner, dickflüssiger Suppe. Und wenn dann noch jemand direkt neben einem freudestrahlend und in hohem Bogen in die Matschpfütze springt, sieht man auch obenrum so aus, als wäre man in Wacken angekommen.

Das Wacken Open Air – oder kurz W:O:A – ist eines der größten Heavy Metal-Musikfestivals der Welt. Aus einer Bierlaune heraus geboren fand es 1990 das erste Mal statt, vor gerade mal rund 800 Zuschauern. Inzwischen sind wir im 28. Jahr angekommen und das Festival zieht jährlich 75.000 Zuschauer aus aller Welt an. Ich selbst bin eigentlich gar kein großer Heavy Metal-Fan, aber vor drei Jahren dachte ich, dass man generell als Musik-Fan mal da gewesen sein muss. Es gibt acht verschiedene Bühnen auf dem weitläufigen Gelände, und man findet eigentlich fast immer eine Band oder einen Künstler, die einem gerade gefallen. Neben Heavy Metal werden nämlich noch viele andere Stilarten des Rock angeboten wie Hardrock, Alternative Rock, Irish Rock und Mittelalter-Rock.

Wacken hat nur knapp 1800 Einwohner, und das ganze Dorf ist dabei und freut sich, wenn sich die ländliche Idylle einmal im Jahr in das Mekka der Heavy Metal-Gemeinde verwandelt. Sie machen es sich vor ihren Häusern in Liegestühlen bequem und winken den ankommenden Metal-Fans in ihren Autos zu. Manche verkaufen Kaffee und Brötchen, andere bieten gegen ein kleines Entgelt ihre Duschen an. In der Dorfkirche findet seit einigen Jahren die „Metal Church“ statt, ein Gottesdienst mit akustischen Metal-Songs, der immer sehr gut besucht ist. Und es gibt Shuttle-Busse vom Festival-Gelände zum Supermarkt und zum Schwimmbad.

Eröffnet wird das Festival jedes Jahr von Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wacken, die als Wacken Firefighters etliche Klassiker des Rock zum Besten geben. Der Schlachtruf „Wacken Wacken Feuerwehr“ schallt dann quer über das Gelände. Obwohl das Festival offiziell von Donnerstag bis Samstag geht, spielen Mittwoch abends schon erste Bands für die angereisten Metalheads. Dieses Mal unter anderem die noch aus den 90ern bekannten Ugly Kid Joe und die noch etwas älteren Recken von den Boomtown Rats rund um Bob Geldof. Ein gutes Beispiel dafür, dass auch Nicht-Heavy-Metal-Fans immer mal wieder bedient werden. Und dass es sich lohnt, frühzeitig anzureisen! Sehr gut gefallen haben mir dieses Jahr außerdem Alice Cooper, Trivium, weitere 90er Bands wie Clawfinger und Dog Eat Dog sowie Status Quo, die gefühlt keinen ihrer vielen Hits ausgelassen haben. Dann habe ich endlich mal die Frankfurter Thrash-Metal-Urgesteine von Tankard erlebt. Nicht ganz meine Musik, aber da musste ich als alter Frankfurter mal für ein paar Songs durch. Meine persönliche Neuentdeckung waren The Hirsch Effekt aus Hannover, denn Hardcore mit deutschen Texten hört man nicht ganz so häufig. Und Mambo Kurt darf natürlich auch in keinem Jahr fehlen, der auf seiner Heimorgel Rock-, Pop- und Dance-Klassiker interpretiert und dem Publikum immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Das Wacken Open Air ist ein Musikfestival für alle Generationen. Einige Besucher kommen als Familie und bringen ihre Kinder mit, andere sind schon seit den Anfängen dabei. Vor drei Jahren wurden sogar mal interessierte Seniorengruppen über das Gelände geführt, um zu sehen, was die jungen Leute da so treiben. Zudem ist es ein sehr inklusives Event: es gibt einen behindertengerechten Zeltplatz „Wheels of Steel“ inklusive einer Service-Station für Rollstuhlfahrer, entsprechend zugängliche Duschen und Toiletten, Podeste vor den großen Bühnen im Infield und vor den zwei Zeltbühnen. Über die Organisation „Inklusion Muss Laut Sein“ können gratis Begleitpersonen gebucht werden, die Menschen mit Behinderungen auf dem Festival zur Seite stehen. Das war in der Schlammwüste dieses Jahr besonders wichtig, da wurden die Rollis teilweise gleichzeitig von hinten geschoben und von vorne gezogen.

Wacken ist auch ein sehr friedliches Festival. Laut Polizei gab es dieses Jahr gerade mal 175 Straftaten, die meisten davon Diebstähle. Die Anzahl der Körperverletzungen lag bei zwölf, was bei 75.000 Besuchern ebenfalls zu vernachlässigen ist. Und es gab eine kuriose Begebenheit: in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat sich tatsächlich ein Besucher über zu laute Musik seiner Nachbarn auf dem Campingplatz beschwert. Die herbeigerufenen Polizeibeamten rieten ihm zur Verwendung von Ohrstöpseln… 🙂

 

 

Text und Fotos: Thomas Walz