Kulturtipp November 2016

The Beatles (1960-1970)

Die aus Liverpool stammende Band The Beatles, bestehend aus John Lennon (1940-1980), Paul McCartney (*1942), George Harrison (1942-2001) und Ringo Starr (*1940) prägte die Musik der 1960er Jahre entscheidend und gelten mit schätzungsweise einer Milliarde verkaufter Tonträger bis heute als die kommerziell erfolgreichste Musikgruppe.

Die Anfänge der Beatles liegen in den Jahren 1956/57, der damals 16jährige John Lennon hatte die Skiffle-Band The Quarrymen (benannt nach der Quarry Bank High School) gegründet, mit der er mehrere Auftritte hatte. In deren Rahmen lernte er 1957 Paul McCartney und 1958 George Harrison kennen, die beide rasch in die Band aufgenommen wurden. Hatte die Band zu Anfang vorwiegend noch andere Stücke gecovert (zum Teil von Buddy Holly und Eddie Cochran), begannen vor allem Lennon und McCartney (die stets miteinander konkurrierten) selbst Songs zu schreiben. 1960 stieß Lennons Freund Stuart Sutcliff als Bassist zur Band, in diesem Jahr änderte die Gruppe auch ihren Namen; zunächst benannte sie sich nach dem Vorbild der Buddy-Holly-Band The Chickets (die Grillen) in Silver Beatles, doch schon nach wenigen Monaten ließen sie den Zusatz silver weg. Der Name Beatles nimmt zum einen Bezug auf die Beat-Musik zum anderen auf das englische Wort beetle (Käfer).

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Über Alan Williams, der die Gruppe zu dieser Zeit managte, erhielten die Beatles 1961 ein Engagement für Hamburg. Hierfür wurde als fünftes Mitglied der Schlagzeuger Pete Best verpflichtet. Ab dem 17. August 1960 gaben die Beatles Konzerte an der Großen Freiheit, zunächst im Indra, einem Striplokal, das bald wegen Ruhestörung geschlossen wurde, danach im Kaiserkeller. Dort gab es ein Zusammentreffen mit der Band Rory Strom and the Hurricanes, in der Ringo Starr zu dieser Zeit als Schlagzeuger spielte. In ihrer Hamburger Zeit kam es auch zur Bekanntschaft mit den Fotografen Astrid Kirchherr (die später mit Stuart Sutcliff zusammenlebte) und Jürgen Vollmer, sowie dem Künstler Klaus Voomann, der entscheidend für das optische Auftreten der Gruppe wurde. Jürgen Vollmer gilt als Erfinder des moptop, der „Pilzkopf“-Frisur, er hatte sich selbst die Haare so geschnitten, woraufhin die Bandmitglieder ebenfalls eine solche Frisur wollten. Im November mussten die Beatles Deutschland verlassen (Grund waren die Minderjährigkeit George Harrisons und ein Brandstiftungsvorwurf an McCartney und Best), lediglich Stuart Sutcliff blieb in Hamburg, wo er 1961 an einer Hirnblutung starb. Die Beatles kamen in den folgenden zwei Jahren noch viermal nach Hamburg, wo sie unter anderem im Star Club spielten.

Während ihres zweiten Hamburg-Aufenthaltes im Juni 1961 wirkten die Beatles als Begleitband für den Sänger Tony Sheridan bei Plattenaufnahmen mit (My Bonnie), über diese Aufnahme wurde Brian Epstein auf die Gruppe aufmerksam und übernahm ihr Management. Bei einem Vorspieltermin in den Abbey Road Studios, der im Juni 1962 stattfand, kam der Kontakt zum Produzenten George Martin zustande. Der bot der Gruppe einen Plattenvertrag an. Kurz vor den Aufnahmen trennten sich die Beatles von Pete Best (er galt als Einzelgänger, was das gemeinsame Musizieren erschwerte) und engagierten Ringo Starr – die „Fab Four“ hatten ihre endgültige Formation. Am 18. August 1962 gab es das erste Konzert in Birkenhead.

Nach zwei Singles (Love me do und Please Please Me), erschien am 22. März 1963 das erste Album Please Please Me, das sofort an die Spitze der Charts kam. Inzwischen war die Gruppe nach mehreren Auftritten auch außerhalb Liverpools landesweit bekannt. Im Mai/Juni 1963 gab es die dritte England-Tournee (nach einigen Auftritten als Vorgruppe waren sie mittlerweile Hauptgruppe), als Durchbruch gilt ihr Fernsehrauftritt vom 13. Oktober 1963 in der ATV-Sendung Live from the London Paladium, die 15 Millionen Zuschauer sahen. Die Beatlemania war ausgebrochen. Im Oktober 1963 wurden sie von Ed Sullivan entdeckt und für das US-Fernsehen eingeladen, im November spielten sie vor der Königsfamilie bei der Royal Variety Perfomance. Das zweite Album With the Beatles erschien am 22. November 1963.

Vom 9. bis zum 22. Februar 1964 kamen die Beatles erstmals in die USA, wo sie zweimal in der Ed Sullivan Show auftraten. Die 1963 aufgenommene Single I want to hold your Hand wurde eine Nr. 1. in den USA. In diesem Jahr drehten die Beatles auch den ersten von insgesamt vier Filmen: A Hard Day‘s Night. Ebenso gab es die erste Welttournee und die erste große US-Tour, während der sie Bob Dylan kennenlernten. Am 3. Dezember 1964 erschien das dritte Album Beatles for Sale.

1965 entstand nicht nur der zweite Film Help, nebst dem dazugehörenden Soundtrack-Album, sondern wohl auch der berühmteste Song der Gruppe: Yesterday. Auch gab es wieder große Tourneen, der spektakulärste Auftritt fand jedoch am 15. August 1965 statt, als die Beatles vor 55 000 Zuschauern im New York Shea Stadium. Es war nicht nur der größte Live-Auftritt der Band bzw. das bis dahin größte Konzert in der Musikgeschichte, sondern auch das erste Mal, dass eine Band in einem Sportstadion spielte. Am 26. Oktober erhielten die Beatles durch Elisabeth II den MBE-Orden. Am 3. Dezember erschien das nächste Album Rubber Soul.

Nach mehreren Vorfällen u.a. bei Asien- und US-Tourneen und aufgrund der Tatsache, dass der Lärm der Zuschauer bei Konzerten oftmals das Musizieren erschwerte, beendeten die Beatles 1966 ihre Konzertreisen. In diesem Jahr gab es aber noch eine Europatournee (u.a. mit Konzerten in München, Essen und Hamburg) und eine große US-Tour. Am 5. August 1966 erschien das Album Revolver.
1967 erschien das Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band, aus dem vor allem der Song All You Need Is Love bekannt wurde. Im August kamen sie erstmals mit Maharishi Mahesh Yogi und seinem Konzept einer transszendentalen Meditation in Kontakt. Im Februar 1968 nahmen die Beatles an einem mehrwöchigen Seminar Yogis in Rishikesh (Indien) teil, zu den Teilnehmern gehörte auch die Schauspielerin Mia Farrow. Im September 1967 begannen die Dreharbeiten zu dem Film Magical Mystery Tour, zu dem auch ein Album entstand. 1968 trennte sich John Lennon von seiner Ehefrau Cyntia und lebte von da an mit der japanischen Künstlerin Yoko Ono zusammen, die er später auch heiratete. Im gleichen Jahr entstand das White Album (zu den unterstützenden Studiomusikern gehörte u.a. auch der junge Eric Clapton). Am 17. Juli 1968 feierte der Zeichentrickfilm Yellow Submarine Premiere.

Persönliche Probleme (hierzu gehörte auch die Einmischung von Yoko Ono in Bandangelegenheiten), aber auch geschäftliche Sorgen belasteten das Verhältnis der Bandmitglieder zueinander, dennoch wurden 1969, wenn auch unter sehr angespannten Bedingungen, die Alben Abbey Road und Let It Be (fertiggestellt 1970) realisiert. Seit 1967 hatten zuerst George Harrison, dann Ringo Starr und 1970 schließlich Paul McCartney erste Solo-Alben veröffentlicht. Im Rahmen der Vorabpräsentation seines Albums gab McCartney am 10. April 1970 gegenüber der Presse das Ende der Beatles bekannt (was nicht abgesprochen war und zu weiteren Verstimmungen führte).

Nach ihrer Trennung konnten alle vier Bandmitglieder erfolgreiche Einzelkarrieren starten. Am 8. Dezember 1980 wurde John Lennon vor seinem Haus erschossen, am 29. November 2001 starb George Harrison an einem Hirntumor. Paul McCartney machte sich später sogar als Komponist klassischer Musik einem Namen, wie etwa durch das autobiografische Liverpool Oratorio oder die Symphonische Dichtung Standing Stone.

Die musikalische Leistung der Beatles liegt nicht nur in der Schaffung einprägsamer Melodien, sondern auch in ihrer stilistischen Vielfalt. Während der Anfang ihrer Karriere noch geprägt war vom Rock’n’Roll und von der Perfektion des Beat, fanden später auch Einflüsse aus Klassik sowie anderen Klangkulturen (Indien) Einzug in ihre Songs. Vieles davon ist für Musiker der Pop-Kultur wie auch der Klassik stilprägend bis heute.

 


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