Kulturtipp Januar 2016

Fastnachtspredigt von Br. Christophorus Goedereis am 24.01.2016 in der Liebfrauenkirche, Frankfurt am Main

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Liebe Schwestern und Brüder, liebe Närrinnen und Narren!

Am Fastnachtssonntag jedes Jahr,
ist für mich als Priester klar.
Wenn überall die Narren walten,
wird auch die Predigt in Versen gehalten.

Doch jedes Jahr dieselbe Frage,
und für mich manchmal schon ne Plage,
frag ich mich vorher mit Entsetzen:
Worüber soll ich diesmal schwätzen?

Dann schau ich mir die Texte an,
und was man daraus machen kann.
Die Lesung und das Evangelium,
die treiben mich dann vorher um.

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So ist’s auch dieses Mal gewesen…
…bis ich das Evangelium gelesen.
Denn da wird was sehr Aktuelles erzählt
und das hab ich mir zum Thema gewählt.

Bei Lukas im heutigen Evangelium steht,
wie Jesus am Sabbat zum Gottesdienst geht.
Dort muss er selber einen Text vorlesen
so ist das damals üblich gewesen.

[Und was passiert?]

Jesus nimmt das Buch Jesaja zur Hand,
denn mit so was hat er sich ausgekannt,
und zitiert seinen Zuhörern – ganz weise und helle
aus dem Buch Jesaja die folgende Stelle:

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[Wir haben es eben gehört:]

Der Geist des Herrn ruht auf mir.
Er hat mich gesalbt und hat mich gesandt
damit ich fortan im ganzen Land
eine gute Nachricht den Menschen verkünde
und sie befreie – von Angst, Schuld und Sünde.

Die Armen soll’n essen, die Durstigen trinken
Gefangenen wird die Freiheit bald winken,
Taube tun hören, Stumme neu sprechen,
die Kranken geheilt von allen Gebrechen
die Blinden sollen schon bald wieder sehen,
und Lahme dürfen aufrecht gehen.

Und dann am Ende heißt es deutlich und klar:
„Ich rufe aus ein Gandenjahr.“

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Ein Gnadenjahr ruft Jesus aus,
damit die Welt mit Mann und Maus,
neu kapiert und endlich versteht,
worum es im Leben eigentlich geht.

Stellen wir also fürs Erste hier klar:
Jesus ruft aus ein Gnadenjahr.

Da stutze ich kurz und mir kommt in den Sinn:
Wir sind doch gerade – in nem Gnadenjahr drin.

Denn der Papst hat diesbezüglich agiert
und 2016 zum Heiligen Jahr definiert.
Und was feiern wir gerad – in der Kirche weltweit?
Wir feiern das „Jahr der Barmherzigkeit“.

Als ich das gestern so bei mir dachte,
wusste ich, was ich heute machte.
Ich halte ne Predigt, hlabwegs klug und gescheit,
und rede über: „Barmherzigkeit“.

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Doch: „Barmherzigkeit“ – welch großes Wort
dachte ich mir dann sofort,
wie soll man das denn definieren,
ist gar nicht einfach zu kapieren.

Im theologischen Wörterbuch – nach vielen Stunden
habe ich dann folgende Definition gefunden:
Barmherzigkeit, so steht da mal eben,
ist das Mitfühlen Gottes mit unserem Leben. (2x)

Ich dachte sofort: Welch schönes Bild,
das wohl für uns alle gilt!
Denn der Mensch in seiner Verwundbarkeit
braucht nichts mehr als – Barmherzigkeit.

Denn: Wir leben ja in schweren Zeiten,
das wird wohl niemand hier bestreiten.

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Die Flüchtlingsfrage, ein schwieriges Thema, klar!
Doch, liebe Leute, im Heiligen Jahr,
wenn alle über Barmherzigkeit schwätzen,
musst du sie auch in die Tat umsetzen,
und handeln und helfen, und machen und tun,
und dann könnte es klappen mit „Wir schaffen das schon!“

Man mag ja bei Angie nicht alles kapieren,
und vielleicht muss man vieles auch neu definieren,
doch eines liegt dieser Frau wohl am Herzen:
Mit der Würde des Menschen lässt sich nicht scherzen.

[Denn:]

Barmherzigkeit achtet zuerst auf die Schwachen,
da kann man nicht einfach die Grenzen dicht machen.
Menschen – denen wurde alles genommen,
die sind auch in Zukunft bei uns stets willkommen!

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Somit ist eines wohl deutlich und klar,
und daran erinnert uns das Heilige Jahr:

Jene Leute, die nur lammentieren,
und von morgens bis abends die Welt kommentieren,
am Stammtisch große Parolen dreschen
doch niemals selber voran-preschen,
die werden einst mit ihrem eigenen Maße bemessen,
und mal ganz ehrlich: Die kannste eh vergessen!

Seid barmherzig wie Gott selber es ist,
denn mit dem Maß, mit dem du misst,
wirst auch du einmal bemessen,
das solltest du niemals vergessen.

Doch Barmherzigkeit lässt sich auch übertragen
auf noch ganz andre aktuelle Fragen.

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Wir alle wissen, was neulich passiert
und sind noch immer tief schockiert,
über das, was in Köln an Silvester geschehn,
denn das geht gar nicht, ist nicht zu verstehn.

Hier gilt es – auf die Opfern zu blicken,
und die Täter direkt in die Wüste zu schicken.

[Denn:]

Barmherzigkeit heißt nicht, alles runterzuschlucken,
sondern mit den Augen Gottes – hinzugucken.
Die Armen und Schwachen niemals vertreiben.
Und für komplexe Situationen neue Gesetze zu schreiben.

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Liebe Schwestern und Brüder, wenn Sie mich hier fragen,
dann will ich Ihnen Folgendes sagen:
Das Problem heißt nicht Islam und nicht Religion,
auch nicht Flüchtlinge sondern: Sie ahnen es schon.
Das Problem bist nicht du, das Problem bin nicht ich.
Das Problem ist wie meistens: der Mensch an sich.

Die Zukunft des Menschen kann nur gelingen,
wenn im Dialog – gemeinsam wir ringen.
Moslems und Christen, Juden und Heiden
die sollen in Zukunft sich keineswegs meiden,
sondern friedlich und barmherzig kommunizieren
aber Gesetz und Ordnung auch respektieren.

Daher, liebe Schwestern und auch liebe Brüder,
am Ende gilt wohl immer wieder:
Schaun wir nicht nur auf die große Welt,
sondern darauf, was bei uns selber zählt.

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Seid barmherzig wie Gott selber es ist
denn mit dem Maß, mit dem du misst,
wirst auch du einmal bemessen,
das solltest du niemals vergessen?

Zum Schluss, liebe Leute, wenn ich hier schon dichte,
erzähl ich euch auch noch ne kleine Geschichte.

Das Ereignis begab sich vor schon längerer Zeit
und erzählt uns von wahrer Barmherzigkeit.

Der Protagonist der Geschichte – uns allen bekannt
ein Mann von Humor, Herz, Geist und Verstand.
Gelebt hat er zuletzt in Rom,
und war dort Chef vom Petersdom.

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Als Papst Johannes den XXIII hat man ihn gewählt
und von ihm wird folgende Geschichte erzählt:

Als Johannes noch als Bischof in Venedig weilte,
ein dringender Hinweis ihn dort ereilte,
dass nämlich in seiner Priesterschar,
ein schlimmer Alkoholiker war.

Als Bischof kommt er nun zum Schluss,
dass er den Priester aufsuchen muss.

Schon am nächsten Morgen, sofort nach dem Schlaf,
geht er direkt zum ver-lo-renen Schaf.

In dessen Pfarrhaus trifft er den Priester nicht an
und fragt sich, wo dieser wohl stecken kann.

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Doch schlau wie Johannes schon immer war,
wird ihm eines – ziemlich schnell klar:
„Wo kann ich den Kerl am ehsten entdecken?
Wird sicher in der nächsten Kneipe stecken!“

Gesagt, getan, geht Johannes dorthin
und findet den Priester auch mittendrin,
steht an der Theke, so war’s seine Masche
und vor sich natürlich ne halbleere Flasche.

Als dieser nun plötzlich seinen Bischof sieht,
fragt er sich: Was denn jetzt wohl geschieht?
Läuft kreidebleich an, und es wird ihm ganz bange
denn sicher nimmt der Bischof ihn jetzt in die Zange.

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Und nun seien wir alle – mal ganz Ohr
und stelln uns diese Begegnung – leibhaftig vor:

Der alkoholkranke Priester, welch trauriges Bild,
dem so-fort unser Mitleid gilt.
Alles im Leben ging drunter und drüber,
und nun steht er – seinem Bischof gegenüber.

Eine Situation, sehr peinlich und äußerst prekär,
wenn der Bischof doch nur nicht gekommen wär!
Und das am frühen Morgen, um diese Zeit
zudem noch in aller Öffent-lich-keit.

Was glauben denn Sie, mal ganz ungeniert,
wie hat Johannes XXIII wohl reagiert?

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Wird er dem Trinker die Leviten lesen?
Wird er so tun, als sei nichts gewesen?
Wird er ihm ne Therapie aufschwätzen
oder ihn woanders – hin versetzen?

Nichts von alledem geschieht,
als Johannes den armen Priester sieht.

Vielmehr sagt er zu dem Mann
und schaut ihn dabei ganz ruhig an:
„Bruder, setz dich und sei einfach still,
weil ich, dein Bischof, bei dir beichten will!“ (2x)

[Mal ganz ehrlich:]

Hätten Sie an diese Pointe gedacht,
und hätten Sie das auch so gemacht?

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Welch große Geste, klug und gescheit,
das ist wahre Barmherzigkeit!
Kein Vorwurf, kein Urteil, kein Schubladen-Denken,
sondern nur die Absicht – es zum Guten zu lenken.

Seid barmherzig und tut auch so handeln,
dann könnt Ihr diese Welt verwandeln.

Möge das Jahr der Barmherzigkeit
uns Menschen hier – so wie auch weltweit,
ermutigen, aufrichten – um neu zu agieren,
damit alle Menschen endlich kapieren,
dass die Barmherzigkeit, ich red hier kein Mist
das Wichtigste – in unserem Leben ist.

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Hier will ich meine Predigt schließen,
und euch nicht mit zu viel verdrießen.

Ich hoff, es hat euch was gebracht
und auch ein wenig Spaß gemacht.
Und nun, Ihr Herren und Ihr Damen,
sag ich zum Schluss Helau und Amen.

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