Kulturtipp August 2016

Kulturtipp von Christina Kupczak und Maria v. Stülpnagel

Kunstlandschaft Tauberfranken – zwei geniale Bildschnitzer

Tilman Riemenschneider und Thomas Buscher

Wer kennt ihn nicht, den berühmten Bildschnitzer Tilman Riemenschneider? Er gilt als genialer Künstler seiner Zeit, viele seiner Werke sind in Franken zu bewundern. Geboren wurde er 1459 in Thüringen, wuchs in Osterode im Harz auf und wanderte von dort nach Franken.Würzburg wurde seine Schicksalsstadt. Hier verbrachte er sein weiteres, sehr langes Leben, er starb 1531.
Unverkennbar ist Riemenschneiders Stil: Die filigranen Figuren im gotischen S-Schwung, die wunderbar lebensecht geschnitzten Hände und Haare, die leichte Melancholie, die von seinen Werken ausströmt, die merkwürdig nach unten gezogene Mandelaugen. Heute unterscheiden die Kunsthistoriker Werke von Riemenschneider selbst, die Arbeiten seiner Werkstatt und die Auswirkungen auf seine unmittelbare Umgebung.
Früh wurde er berühmt, sein künstlerischer Durchbruch waren die in Stein gehauenen Adam und Eva Skulpturen an der Würzburger Marienkapelle. Heute stehen dort Kopien, die meisten Originale sind auf der Marienburg oberhalb Würzburgs zu sehen.

Hl. Blutaltar          Creglingen Marienaltar

Doch schon kurze Zeit nach seinem Tod geriet seine Kunst in Vergessenheit. Wundervolle Altäre wurden zerstückelt ( Windsheimer Altar ), verkleinert und einer neuen Kirchenapsis angepasst ( Detwanger Altar ) oder sind ganz verschollen. Eine überlebensgroße seelenvolle Kreuzigungsgruppe wurde noch im letzten Jahrhundert zu Brennholz zersägt, übriggeblieben ist eine Marienfigur, ebenfalls im Mainfränkischen Museum zu sehen. Riemenschneider war auch ein politischer Mensch, er wurde Bürgermeister von Würzburg, geriet in den Strudel des Bauernkriegs, kam in Haft, wurde wieder freigelassen.
Entgegen der damaligen Kunstauffassung ließ er seine Figuren unbemalt. Im Taubergrund ist der Heilig Blut Altar in Rothenburg o.d. T. und der Kreuzaltar in Detwang noch gut erhalten.
Unvergleichlich ist der Creglinger Altar, der einzige Altar, ( Aufnahme Mariens in den Himmel ) der wie durch ein Wunder vollständig erhalten geblieben ist und heute noch in der Creglinger Herrgottskirche steht. Kurz nach der Reformation wurde er abgebrochen, verschlossen und vergessen, erst 1832 durch einen Zufall wieder entdeckt und steht wieder an alter Stelle. Die Schnitzarbeiten, die bewegten Figuren, der Ausdruck sind einfach atemberaubend. Er ist wirklich unvergleichlich.

Doch wer ist Thomas Buscher?

Buscher wurde in Gamburg, einem malerischen Dorf an der Tauber kurz vor Wertheim 1860 geboren. Seine Vorfahren kamen aus Frankreich, waren Hofmaler bei Ludwig XV. Der Vater Friedrich Buscher war Steinbildhauer und alle seine Söhne ( Karl, Sebastian, Christian und Clemens) wurden ebenfalls bildende Künstler. Alle bekamen eine fundierte künstlerische Ausbildung und wurden erfolgreiche Bildhauer- und Schnitzer. Christian und Clemens wanderten nach Chicago aus, Thomas blieb in den heimatlichen Landen, wurde ebenfalls ein erfolgreicher Bildschnitzer. Unverkennbar ist sein Vorbild Tilman Riemenschneider.
Mitte des 19. Jahrhunderts dominierte in Deutschland der Historismus. Alle Kunststile der vergangenen Epochen ( Romanik, Gotik. Renaissance, Barock und Rokoko ) wurden im Geist der neuen Zeit wieder zitiert, man ahmte nach. Unverkennbar sind bei Neuromanik und Neugotik oft der industrielle Einfluss. Vieles wirkt glatt, mechanisch, wurde wiederholt. Daher fehlt oft das Leben, die Leidenschaft und Ursprünglichkeit der „echten“ romanischen oder gotischen Vorbilder.
Nicht so bei THOMAS BUSCHER: Er war einer der großen Könner, der zwar im altmeisterlichen Stil, besonders im Geist Riemenschneiders arbeiten konnte, aber eine unverwechselbare, individuelle, sehr lebensnahe „Handschrift“ hatte.
In seinem Heimatort Gamburg steht in der Pfarrkirche ein neugotischer Schnitzaltar von ihm, mit faszinierenden Engelsfiguren. Sofort wird man an Tilman Riemenschneider erinnert, sie sind aus diesem Geist erschaffen. Buscher spezialisierte sich auf Schnitz- und Bildhauerwerke für Kirchen, führte aber auch Grabmonumente und Kriegerehrenmale aus. Als anerkannter Künstler zog er nach München um, erhielt dort eine Professur an der Akademie der Schönen Künste.

Thomas Buscher Engel          BUscher Josefstod

Er war wie Riemenschneider erfolgreich: Die Aufträge kamen aus dem Badischen, Fränkischen, aus Oberbayern und der Pfalz, aus Nordmähren, Schlesien und auch Berlin, England, Stockholm und New York. Sein Werk ist ähnlich umfangreich wie das seines großen Vorbildes. Und eine weitere Parallele: Genau wie Riemenschneiders Werk fiel auch Buschers Werk kurz nach seinem Tod dem Vergessen anheim. Doch regt sich langsam wieder Bewunderung für diesen Nachfolger Riemenschneiders.
Reizvoll ist es, die beiden großen Künstler in ihrer Region zu erleben und zu vergleichen. So sind Buschers Werke auch im Taubergrund zahlreich vertreten: Gamburg, Tauberbischofsheim, Liebfrauenbrunn, Uissigheim – aber auch in München, Mannheim, Bamberg und Cham.

Hinfahren, bummeln, anschauen. Es lohnt sich!

 


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