Lutz
Wie kam es zu Deiner Sehbehinderung?
Bei meiner Geburt war ich blind. Die Diagnose war Glaucom, bekannt auch als „Grüner Star“, eine Augenerkrankung, bei der im Augeninneren zu viel Kammerwasser produziert wird, wodurch ein hoher Druck auf den Sehnerv ausgeübt wird. Normalerweise ist das eine Alterserkrankung und selten bei Neugeborenen zu finden, hinzu kamen andere Komplikationen wie eine Hornhauttrübung und später auch der „Graue Star“ (Trübung der Linse). Das ich heute überhaupt ein Sehvermögen von zirka 5 Prozent besitze verdanke ich zwei Faktoren, hervorragenden Augenärzten und sturen Eltern, die immer daran geglaubt haben, dass noch Hilfe möglich ist.
Wie definierst Du Behinderung für Dich persönlich?
Als „behindert“ würde ich mich selbst nicht bezeichnen wollen, da ich niemals ein „normales“ Sehen kennen gelernt habe, daher kann ich nicht sagen, dass ich etwas vermisse. Die einzige Sache, die ich als Nachteil empfinde besteht darin, keinen Führerschein machen zu können, da dadurch ein wertvolles Stück Unabhängigkeit für mich verschlossen bleibt. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass „Behinderung“ ein Begriff von Außenstehenden ist, die Probleme damit haben, Seh- oder Hörschwächen richtig einzuordnen. Es ist ein einschränkender Begriff, da er nur ein Manko bezeichnet, und dies färbt zwangsweise auch auf das Bild von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft ab.
Sind spezielle Gruppierungen und Verbände für Behinderte wichtig und warum?
Ganz ohne Frage bilden Behindertenverbände und Gruppierungen eine wichtige Einrichtung. Sieht man einmal von der Möglichkeit ab, über eine solche Einrichtung Kontakt zu Ansprechpartnern herzustellen, die bei der Bewältigung von Alltagsproblemen behilflich sein können, bieten diese Verbände auch die Möglichkeit zum Austausch von Gleichgesinnten. Die andere Seite der Medallie besteht jedoch in der Gefahr, sich in diesen Gemeinschaften einzuigeln, um nur noch „unter sich“ zu sein. Vielmehr müssen diese Organisationen darum bemüht sein, den Kontakt nach außen zu suchen, was in vielen Fällen ja auch schon gemacht wird.
Warum engagierst Du Dich, nimmst Du teil am LUKAS 14 – Programm?
LUKAS 14 ist etwas ganz besonderes, da hier keine spezielle Gruppe angesprochen wird. Es ist egal ob jemand behindert ist oder nicht, welcher Religion man angehört, oder aus welchem Land man kommt. Jeder wird so angenommen, wie er ist. Im Grunde wird hier eine Form von Gemeinschaft „gelebt“, die sich Politik und Gesellschaft schon seit langem wünschen.
Hast Du eine Dir persönliche ‘Botschaft’, Meinung an die sog, ‘Nicht-Behinderten?’
Die einzige „Botschaft“, die mir wichtig wäre, betrifft nicht speziell den Umgang zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten sondern ist ohne weiteres allgemein zu verstehen: Es ist wichtig, seinem Gegenüber immer „auf Augenhöhe“ zu begegnen und ihn oder sie niemals zu unterschätzen. Menschen sollten nicht nach ihren Mängeln sondern nach ihren Fähigkeiten beurteilt werden.