Jutta
Wie kam es zu Deiner Hörbehinderung?
Die ersten Anzeichen einer Hörbehinderung traten im 16. Lebensjahr auf. Da merkte ich, dass ich in der Schule nicht mehr alles verstand. Ich setzte mich dann freiwillig in die erste Bank. Mein Vater war dann mit mir in der Uni-Klinik, es wurde ein Audiogramm gemacht, was ich leider durch Raten total verfälscht hatte. Verschrieben wurden damals ein paar Vitamintablettchen, leider wurde versäumt, mir zu sagen, dass ich einmal im Jahr kommen sollte, um Veränderungen festzustellen. Im Alter von 20 Jahren wurden dann meine Hörprobleme massiver, weshalb ich erneut in der Uni-Klinik war. Diesmal hieß es, ja, ich brauche Hörgeräte und ich hätte schon längst kommen sollen. Festgestellt wurde eine beiderseitige Innenohrschwerhörigkeit, die im Laufe der Jahre immer weiter fortschritt. Vor ca. 12 Jahren war ich dann auch mit Hörgeräten am Ende der Fahnenstange und auf Lippenlesen, Fax und SMS angewiesen. Damals hörte ich dann auch zum erstenmal was vom CI, da ich mir aber unter „neu Hören lernen“ absolut nichts vorstellen konnte und ich sehr skeptisch war, vor allem die Tatsache, dass ich dann definitiv nichts mehr hören würde auf dem Ohr, wenn die OP nicht erfolgreich verläuft, diese Fakten hielten mich damals davon ab, mich operieren zu lassen. Also quälte ich mich weiter mit meinem geringen Resthörvermögen herum. Im Nachhinein war das schon ok, weil die Technik inzwischen riesige Fortschritte gemacht hat.
Was bedeutet für Dich die Behinderung? Wie definierst Du Dich?
Mein Hörvermögen habe ich erst sehr spät als Behinderung empfunden. Ich habe bei meinen Unternehmungen, Kursen oder was auch immer, nie an meine SH gedacht. Ich wollte das machen und das tat ich dann auch. Erst als meine SH ganz massiv wurde, habe ich auf Unternehmungen verzichtet, bei denen ich auf mein Hörvermögen angewiesen war. Der Versuch, noch Gebärdensprache zu erlernen, scheiterte am Gedächtnis.
Ich war, bis auf wenige Ausnahmen, immer ein fröhlicher, positiv denkender Mensch. Heute bin ich es, dank CI, noch mehr.
Sind spezielle Gruppen / Verbände für Hörgeschädigte notwendig?
Diese Frage möchte ich uneingeschränkt mit „Ja“ beantworten. Die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, ist sehr wichtig. Das trifft auf alle Bereiche zu: Behörden, Versorgungsämter, Hilfsmittel, neue Entwicklungen, rechtliche Ansprüche, Erfahrungsaustausch, wie andere mit der SH umgehen, usw.
Du bist bei Lukas14 engagiert. Warum arbeitest Du mit?
Ich habe eine ziemlich sozial ausgeprägte Ader, um mich aber nicht zu verzetteln, denn dann macht man vieles halb, aber nichts richtig, habe ich mich entschieden, mich da einzubringen, wo ich am besten unterstützen kann. Das war zunächst mal das PAX. Hier war ich seit vielen Jahren engagiert. Ein Verein kann nur funktionieren, wenn es auch Menschen gibt, die sich mit ihrem Wissen / Können einbringen. Für mich ist es wichtig, in einem Verein aktiv zu sein. Bei Lukas 14 wird die Mitarbeit auch anerkannt. Ich fühle mich bei den vielen unterschiedlichen Menschen sehr wohl. Das Evangelienspiel war das beste Beispiel für ein gutes, respektvolles Miteinander.
Hast Du eine „persönliche Nachricht“? Etwas, was Dir wichtig ist und was Du mitteilen möchtest.
Wichtig ist, sich trotz SH nicht zu verkriechen, sondern auf andere zugehen, ihnen erklären, wie sie mit dir kommunizieren können. Sich bemerkbar machen, geht nicht immer, ich weiß. Einen Partner / Freundeskreis zu haben, der sich auf deine Bedürfnisse einstellen kann. Etwas ändern, wenn man merkt, dass es einem selbst nicht gut tut. Versuchen, sich nicht bevormunden zu lassen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, wenn andere bestimmen, was sie telefonisch weitergeben und was nicht, weil man selbst nicht in der Lage ist, zu telefonieren. Dank CI gibt es diese Situationen für mich nicht mehr.
Sich ausführlich über das CI informieren, am besten mit vielen CI-Trägern sprechen, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Ich bin sicher, die positiven werden überwiegen. Die Entscheidung für oder gegen das CI muss aber jeder selbst treffen. Meine persönliche Meinung, dass es speziell für plötzlich Ertaubte und Spätertaubte die bessere Alternative zu unzureichenden Hörgeräten ist. Ich habe diesen Schritt nie bereut und würde mich auch sofort noch mal unters Messer legen, falls es erforderlich wäre.
Mein empfohlener Link: www.civhrm.de