Johannes
Wie kam es zu Deiner Hörbehinderung?
Irgendwann im Kindesalter von etwa 5 Jahren hatte ich einen Hörsturz. Das Hörvermögen verschlechterte sich bei mir im Laufe der Zeit. Mittlerweile ist es in den letzten 10 Jahren bei einem „an Taubheit grenzend“ geblieben. Woher die Behinderung kommt und wie sie entstand, darauf will ich jetzt nicht genauer eingehen, weil ich es immer noch nicht weiß und auch nicht wissen will. Selbst die Ärzte haben die Ursache nicht herausfinden können. Da ich aus einer „hörenden“ Umgebung komme, beherrsche ich die Lautsprache relativ gut, was für mich auf alle Fälle ein Vorteil ist. Mit der „Gehörlosen“-Welt kam ich erst mit der Einschulung in die Realschule in Berührung. Ab dann lernte ich die Gebärdensprache kennen. Heute kann ich diese Sprache zwar nicht perfekt aber zur Unterhaltung langt es allemal.
Was bedeutet für Dich Behinderung? Wie definierst Du Dich?
Ich lebe praktisch schon immer mit meiner Behinderung und kenne eben Vor- und Nachteile. Gut, es gibt Augenblicke, in denen ich mich danach sehne normal zu hören. Aber von solchen Augenblicken, sollte man sich auf keinen Fall erdrücken lassen. Es gibt, speziell für Hörgeschädigte, genug Hilfen.
Sind spezielle Gruppen / Verbände für Hörgeschädigte notwendig?
Ich hatte bis jetzt mit Verbänden kaum oder gar nix zu tun gehabt. Aber ich denke es ist schon wichtig, dass es Gehörlosen-Gruppen gibt. Vor allem deswegen, wenn es um deren Rechte geht.
Außerdem ist es wichtig, sich auch mal mit Gleichgesinnten austauschen zu können. Trotzdem soll man ja nicht den Faden verlieren und sich mit solchen Gruppen von der realen Welt abkapseln. Z.B. habe ich mal erlebt, dass ich wegen meiner guten Lautsprache als ein „Hörender“ galt.
Du bist in LUKAS 14 engagiert. Warum arbeitest Du mit?
Ich bin Mitglied beim Integrativen Gebärdenchor Liebfrauen. Ich höre trotz meiner Behinderung gerne Musik und finde es einfach nur schön und interessant wie man Musik, mit Hilfe der Gebärdensprache, für Hörgeschädigte sichtbar machen kann.
Außerdem kann man sich in LUKAS 14 immer wieder mit interessanten Leuten, egal ob mit oder ohne Behinderung, unterhalten.
Hast Du eine „persönliche Nachricht?“ Etwas, das Dir wichtig ist und was Du mitteilen möchtest?
Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Beispielsweise gab es vor kurzem in meiner Firma eine Feier. Ich bekam ja, wie so oft, nicht viel mit worüber da so gesprochen wurde. Aber ich machte Fotos, weil ich das eben gut kann. In den Tagen danach waren viele Kollegen total begeistert von den Fotos und sprachen mich auch mal darauf an.
Also jeder muss für sich selbst heraus finden, was er gut kann und was nicht. Seine Stärken sollte man versuchen in der Gesellschaft einzubringen.
Wichtig ist, zu seiner Behinderung zu stehen und diese auch zu akzeptieren.