Der Textdichter: Josef Mohr

Den Text zu ‘Stille Nacht’ verfasste Josef Mohr (1892-1848). Am 11. Dezember 1792 wurde er in Salzburg geboren und wenige Stunden später im Dom getauft (seine Taufe ist im gleichen Taufbuch verzeichnet wie diejenige Mozarts). Mohrs wuchs in großer Armut auf; seine Mutter, Anna Schoiber, ernährte ihre vier Kinder mit Handarbeit, seinen Vater, Franz Mohr, ein fahnenflüchtiger Musketier, hatte Josef nie kennengelernt. In Franz Josef Hiernle (1765-1850), Domchorvikar am Salzburger Dom, hatte Josef Mohr jedoch einen engagierten Förde-rer, der frühzeitig Josefs musikalisches Talent erkannte und nicht nur dafür sorgte, dass der junge Mohr das Gymnasium besuchen durfte, sondern auch im Stiftschor von St. Peter (1807/1808) mitsang. Bedingt durch die Belagerung der napoleonischen Truppen musste Mohr 1808 Salzburg verlassen und fand im 80 Kilometer entfernten Stift Kremsmünster als Musiker Aufnahme, am dortigen Lyzenum konnte er auch seine philosophischen Studien beginnen. Nach seiner Rückkehr nach Salzburg durfte er dort 1811 Theologie studieren und wurde 1815 schließlich zum Priester geweiht. Es folgten mehrere Anstellungen als Coadjutor (Hilfspfarrer) im Salzach-Gebiet; u. A. in Mariapfarr (1815-1817), wo er seinem Großvater begegnete und den Text zu Stille Nacht verfasste und in Oberndorf (1818-1819), wo das Lied vertont und uraufgeführt wurde. Erst ab 1827 rückte er in den Dienst eines Vikars auf und wechselte mehrfach die Stelle. 1848 starb er als Vikar in Wagrain.
Der Komponist: Franz Xaver Gruber
Franz Xaver Gruber (1787-1863) stammte aus Unterweizberg bei Hochburg (Oberösterreich), wo er am 25. November 1787 als Sohn des Leinewebers Joseph Gruber geboren wurde. Durch seinen Schullehrer in Hochburg, Andreas Peterlechner, wurde Grubers musikalische Begabung so gefördert, dass er nicht, wie von seinem Vater gewünscht, als Leineweber arbeiten musste, sondern eine Lehrerausbildung absolvieren durfte. 1807 erhielt Gruber seine erste Lehrerstelle in Arnsdorf, wo er auch als Messner tätig war, ab 1816/17 übernahm er zusätzlich die Organistenstelle in Oberndorf, wo er Josef Mohr kennenlernte und Stille Nacht komponierte. In Berndorf wurde er 1829 als Lehrer und Organist angestellt, bevor er 1835 in Hallein den Posten eines Chorregenten antrat, was heute der Position eines hauptamtlichen Kirchenmusikers entspricht. 1863 starb Gruber in Hallein. Im Rahmen seiner kirchenmusikalischen Tätigkeit hinterließ Gruber gut 70 Gelegenheitskompositionen, von denen allerdings nur Stille Nacht bekannt wurde.
Die Entstehung
Um die Entstehung von Stille Nacht ranken sich einige Legenden. So soll das Lied am 24. Dezember 1818 innerhalb weniger Stunden gedichtet und vertont worden sein. Grund hierfür sei die nicht mehr funktionsfähige Orgel in der Oberndorfer Pfarrkirche St. Nicolai gewesen, weshalb Gruber und Mohr in aller Eile ein Lied für zwei Singstimmen und Gitarre komponierten, das noch am selben Tag in der Christmette gespielt wurde. Inzwischen ist jedoch erwiesen, dass Josef Mohr bereits 1816 den Text verfasste. 34 Jahre nach der Entstehung des Liedes schrieb Franz Xaver Gruber seine Erinnerungen daran auf, dort ist keine Rede von einer defekten Orgel. Ebenso wird mittlerweile angenommen, dass das Lied nicht während des Weihnachtsgottesdienstes sondern im Rahmen einer sich anschließenden Andacht vor der Weihnachtskrippe – ein Brauch, der in der alpenländischen Gegend heute noch gepflegt wird – gesungen wurde. Die erste Aufführung übernahmen Gruber und Mohr selbst, zusätzlich zum Gesang spielte Mohr den Gitarren-Part. Die Pfarrkirche St. Nicolai steht heute nicht mehr, da sie 1905 wegen Schäden durch Hochwasser von der Salzach abgerissen werden musste, es existiert lediglich eine Fotografie des Altarraumes (um 1880), 1937 wurde in Oberndorf in Gedenken an die Entstehung des berühmten Liedes die „Stille Nacht-Kapelle“ errichtet, 1993 entstand eine originalgetreue Kopie dieser Kapelle in Michigan (USA):

Bereits kurz nach der Erstaufführung begann die Verbreitung des Liedes, eine erste Abschrift durch den Organisten Blasius Wimmer ist auf Juli 1819 datiert, Der Orgelbauer Karl Mauracher, der zwischen 1823 und 1825 den Bau einer neuen Orgel in Oberndorf beaufsichtigte, brachte das Lied in seine Heimat Tirol, wo es von mehreren Gesangsensembles in die Welt getragen wurde; so sang es die Familie Rainer, die aus Maurachers Heimatsort Fügen stammte, 1839 erstmals in New York, während die Geschwister Strasser das Lied während der Leipziger Messe 1831 in Deutschland bekannt machte. Auf diese Weise lernte Friedrich Wilhelm IV. dieses Lied kennen und schätzen, auf seine Veranlassung erstellte Gruber 1854 eine Kopie zur Aufführung für die Weihnachtsfeiern des Königshofes, bei gleicher Gelegenheit verfasste der Komponist seine Erinnerungen an die Liedentstehung. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Texter und Komponist nicht in Vergessenheit gerieten. Bis zu diesem Zeitpunkt war Stille Nacht mehrfach gedruckt und als Tiroler Volksweise bezeichnet worden. In den USA wurde das Lied sogar so beliebt, dass man es für eine amerikanische Schöpfung hielt, was erstmals durch ein für Kinder gedachtes Buch über das Lied von Hertha Pauli (1943) richtig gestellt wurde. Heute wird das Lied weltweit zur Weihnachtszeit gesungen und u. A. in Englisch, Japanisch, Vietnamesisch, Gebärdensprache und sogar Klingonisch (eine künstliche Sprache, die im Rahmen der Fernsehserie Raumschiff Enterprise entwickelt wurde) übersetzt.
Dieser Tipp wurde erstellt von Lutz Riehl.