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Kulturtipp Dezember 2008

Bekannertmaßen ist die Advents- und Weihnachtszeit, die allgemein als harmonisch und friedensträchtig beschrieben wird, gerade eine Zeit, in der es öfter mal knallt. Um dies etwas abzumildern, stellen wir beim Dezember- Kulturtipp ein Gedicht des Frankfurter Pfarrers  LOTHAR  ZENETTI voran:

De  Friede

De Friede is möchlich, de Friede is machbar,
des wolle ja alle,-doch nor net mein Nachbar.
Der sucht als nor Streit,- so streite mer ewe.
De Friede is schwierich im tächliche Lewe !
Des gilt aach fer Weihnacht, des Hochfest der Liebe:
da heert mer den Mensch uff de Heim-Orchel übe.
De Daach iwwer geht des Gejaul un Gewimmer,
un wenn ich em klopp, wird de Krach als noch schlimmer.
Ich dreh dann mein Fernseher bis hinne widder!
Der Säukerl, so denk ich, geehrt hinner Gitter!-
Wann mir uns begechne, dann duht er net grüße,
un ich waaß nur aans: ei des werste mer büße!
Sei Auto, des parkt er vor meiner Garasch.
Des zahl ich derr haam, also wart nur, du….
Arch bees kann ich wern, un de Zorn duht mich packe,
so laß ich mein Hund dem sein Gehsteich voll……….
kaa Ruh laß ich dem, ei ich kennt en verrobbe.
Ich duh mit meim Kerschel sei Mülltonn vollstoppe!

Doch sonst, allgemein, bin ich immer entschiede,
ei echt, des waaß jeder, fer nix als wie Friede!

Und nun einiges Wissenswertes zum ADVENT

ADVENT bedeutet: Ankunft.
Für Christen: die Ankunft Gottes in der Person von Jesus Christus.

Während Ostern seit Beginn des Christentums gefeiert wurde, hat erst im 6. Jahrhundert Papst Gregor d. Gr. die ADVENTSZEIT auf vier Wochen festgelegt, analog zur Fastenzeit als Vorbereitungszeit zu Ostern.

Die Kirche zögerte die ersten Jahrhunderte ein Geburtsfest Jesu zu feiern, denn Geburtstage galten als heidnisch. Im Altertum wurden die Geburtstage der Pharaonen, Kaiser und Könige groß  gefeiert. Nicht zu vergessen ist der Geburtstag des Königs Herodes, auf welchem Salome den Kopf  von Johannes dem Täufer forderte. So waren Geburtstage ursprünglich negativ besetzt.- Der Sterbetag galt als der eigentliche “Geburtstag” in ein neues, ewiges Leben. So sind die Namenstage der Heiligen auch deren Sterbetage und bis vor 50 Jahren wurde im katholischen Kulturkreis der Namenstag gefeiert, nicht der Geburtstag. In den Klöstern ist dies immer noch so.

Bis 1917 war die ADVENTSZEIT  in der kirchlichen Tradition eine strenge Fastenzeit. In dieser Zeit  waren Hochzeiten, Tanzvergnügen, Fleischgenuss ( außer an Sonntagen ) und Süßigkeiten verboten.

In der Liturgie der ADVENTSZEIT entfällt das “Gloria”, die liturgische Farbe ist violett. In der ADVENTSZEIT werden die “Rorate- Messen” gelesen, das sind Gottesdienste am frühen Morgen. Dann ist die Kirche nur mit Kerzenlicht erleuchtet.
“Rorate” bezieht sich auf einen Vers im Buch Jesaja “Tauet Himmel von oben! Ihr Wolken regnet den Gerechten!” ( Jes. 45,8)

Die ADVENTSZEIT hat zwei Teile: Bis zum 16.12. stehen die Gottesdienst unter einem endzeitlichen Charakter. Ab dem 17.12. ist das Thema des ADVENTS die Hinwendung zu Weihnachten, die Vorfreude auf die Geburt Jesu.

Der dritte ADVENTSSONNTAG  heißt “Gaudete” = “Freuet Euch!”  Ähnlich wie der dritte Fastensonntag “Laetare” verbildlicht er die Freude auf das Hochfest Weihnachten bzw. Ostern. Nur an diesen beiden Sonntagen ist die liturgische Farbe rosa, ein aufgehelltes Violett.

Der ADVENTSKRANZ wurde von Johann Heinrich Wichern 1860 erfunden. Im “Rauhen Haus”, einem Waisenhaus ließ der evangelische Pastor am 1. Dezember auf einem großen, mit Tannenzweigen geschmückten Holzreifen jeden Tag eine Kerze, insgesamt 24, entzünden. Daraus entwickelte sich der  heutige Adventskranz mit 4 Kerzen, analog den 4 Adventssonntagen.

Der ADVENTSKALENDER  wurde von einem Geschäftsmann, Gerhard Lang (1880 – 1974) in München erfunden. Langs Mutter hatte ihm bereits als Kind einen einfachen Adventskalender gebastelt, indem sie 24 Weihnachtsplätzchen auf einen Karton aufnähte und das Kind jeden Tag ein Plätzchen abschneiden durfte. Lang erfand den gedruckten Adventskalender mit 24 Bildern und 24 Gedichten. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wurde der Kalender populär. Obwohl Lang Unternehmer war, versäumte er, das Patent für seine Erfindung anzumelden und hat vom finanziellen Erfolg nicht profitiert. Gerade dieses Versäumnis macht Lang sympathisch.

Wer noch mehr über den ADVENT und seine Bräuche wissen will, dem sei folgendes Buch empfohlen:
WEIHNACHTEN
Kultur und Geschichte (292 Seiten)
ein Kalendarium vom ersten Advent bis zum Dreikönigstag
Helga Maria Wolf
ISBN 978-3205774051
Böhlau Verlag 19,90 EURO


Diese romanische Kirche war ein Benediktinerkloster und der wuchtige Turm ist unverzichtbar im Kölner Stadtbild. Unter der Kirche sind Reste des römischen Hafens zu besichtigen. Köln ist auch reich an moderner Kunst, die richtungweisend ist. Man beachte Tabernakel und Taufstein in dieser Kirche und die sehr strengen , gegossenen Krippenfiguren, die wunderbar in diesen Kirchenraum passen. Danach überquert man hinter dem Rathausturm den Heumarkt und gelangt zur Kirche Maria im Kapitol, die größte der romanischen Kirchen, die auf einem römischen Tempelhügel erbaut ist und eine perfekte Kopie der Geburtskirche in Bethlehem darstellt.

Schon 1050 wurde diese Kirche erbaut, in welcher ein Prozessionsweg durch die außerordentliche Architektur (Kleeblattchor) führt. Nicht vergessen: Vor der romanischen Madonna ein Äpfelchen niederlegen, so wie es der kleine Hermann Josef gemacht hat, dem sich die Figur entgegen neigte. Bis heute ist diese Geschichte unvergessen und seit 700 Jahren legen Menschen, die an “Wunder” glauben, symbolisch an der Marienfigur einen Apfel nieder. Nicht weit von Maria im Kapitol (die den einzigen erhaltenen Kreuzgang Kölns besitzt), liegt die St. Georgs Kirche am Waidmarkt, die kleinste der romanischen Kirchen mit Doppelchor, uraltem Astkruzifix und wunderschönen Glasfenstern des Holländers Jan Thorn Prikker, der in St. Georg ein Beispiel für gültige moderne Kirchenkunst hinterlassen hat. Durch die Hohe Strasse geht es zurück und fast gegenüber vom Dom findet man in St. Andreas (heute Dominikanerklosterkirche) den Abschluss. St. Andreas hat wunderbare Fresken, ein Fresko mit der Symbolik der Hl. Drei Könige und in der Krypta ruht in einem römischen Steinsarg  Albert der Große, der große Dominikaner, Lehrer von Thomas v. Aquin, Seelsorger und Naturforscher.
Überall gibt es schöne Gaststätten, in welche man einkehren und auch ein “Kölsch” trinken kann.
Zurück geht es mit dem ICE ab 17 Uhr 53 vom Kölner HBH und 20 Uhr 13 trifft man wieder in Frankfurt ein, mit dem Eindruck, das deutsche Mittelalter besucht zu haben und der Freude an einer lebendigen Tradition.

Dieser Tipp wurde erstellt von Christina Kupczak.