Kulturtipp August 2010
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Kleine MoseltourWer drei Tage Zeit für einen Kurzurlaub hat, dem sei eine Moseltour empfohlen. Im Sommer, bei viel Sonnenschein wird der Reisende glauben, er sei in einem südlichen Land, weit weg von Frankfurt… Wenn man es gemütlich angehen lassen will, so fährt man auf der A66 bis Wiesbaden, wechselt von der B42 bei Lorch oder St.Goarshausen auf die B9 der anderen Rheinseite, den Hunsrück hoch bei Boppard / Buchholz, bis man auf dem Hochplateau am Dörfchen WINDHAUSEN vorbeikommt. Der Name ist gut gewählt, denn dort oben weht ein ständiger erfrischender Wind. In der winzigen Dorfkirche gibt es eine schwarze Madonna zu bewundern. Steil geht es bergab zum Moseltal.
Anders als am Mittelrhein gibt es viele Brücken an der Mosel, so dass man leicht die Uferstrasse wechseln kann. In MOSELKERN, vor der Kath. Kirche steht eine Nachbildung des Merowinger Kreuzes, aus dem 7. Jahrhundert.
Es ist wohl die älteste Kreuzesdarstellung nördlich der Alpen, die Jesus, den Gekreuzigten zeigt. Nicht weit davon, in einem Seitental ist Burg ELTZ zu bewundern, eine der wenigen unzerstörten Burgen, heute noch im Besitz der Familie von Eltz.
Auf der anderen Moselseite in TRAIS, überrascht eine der seltenen originellen neugotischen Kirchen, St. Johannes. Lassaulx hat sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebaut. Ein gotisch – blaues Gewölbe senkt sich beruhigend über den Kirchenbesucher.
In EDIGER – ELLER ist neben vielen traditionellen Kunstschätzen ein modernes Bild von Christus in der Kelter eingefügt, ein Andachtsbild über Leiden und Tod.
Nun beginnt die Mosel zu „mäandern“. In bizarren Windungen hat sie sich einen Weg zwischen Eifel und Hunsrück gesucht. KLOSTER STUBEN, wenn auch nur eine Ruine, gehört zu den unvergesslichen Moselblicken. Genau gegenüber befindet sich Europas steilster Weinberg, der CALMONT. Neuerdings mit „Kletterpfad“ für Mutige.
Auch PÜNDERICH liegt in einer engen Moselschleife.
Hoch oben thront die MARIENBURG, heute Jugendbildungsstätte des Bistums Trier. Viele gäbe es da zu erzählen, unbeachtet bleibt leider oft die wunderschöne schwarze Madonna an der Eckseite des Bildungshauses.
An der Mosel gibt es mehrere „schwarze Madonnen“, die besondere Verehrung genießen.
Wenige wissen es, aber die Mosel hat auch für Jugendstil- Liebhaber viel zu bieten, hier ein Beispiel aus ZELL. Weiter geht es Richtung Trier. Die große Moselschleife bei TRITTENHEIM zeigt eine atemberaubende Landschaft: ein riesiges Rebenmeer, dazwischen die Mosel, schöne, gepflegte Dörfer und im Hintergrund die Eifelberge. Im Ort steht eine 9 m hohe ARAUKARIE, die auch Zapfen trägt.
Der Ort gedenkt STEFAN ANDRES, der unweit von hier in einer Mühle an dem Nebenflüsschen Drohn geboren wurde.
Die richtige Urlaubsliteratur bietet der: „KNABE im BRUNNEN“, seine Kindheitsgeschichte vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Wissenswert und doch poetisch! Wer mehr davon erfahren will, sei auf SCHWEICH, verwiesen. Dort ging Andres zu Schule und dort gibt es einen Stefan-Andres Brunnen.
Zur Übernachtung sei besonders Pünderich empfohlen, ein Dorf, das noch direkt an der Mosel liegt, mit allem was der Mensch so braucht (Kirche, gute Gasthäuser, kleines Einkaufsgeschäft, wunderschöne Wanderwegen und viel Ruhe)
Zurück geht es entweder bei ZELL über den Hunsrück, oder bis fast zur Moselmündung bei Brodenbach in steilen Serpentinen hinauf bis zur Rheinseite nach RHENS. Oberhalb von Rhens, man fährt geradewegs vorbei, steht der KÖNIGSSTUHL. Hier hatten im Spätmittelalter die Kurfürsten überlegt, wen sie in Frankfurt zum Deutschen Kaiser wählen sollten.
Und natürlich nicht vergessen: Ein Moselwein, möglichst einer mit dem unvergleichlichen Schiefergeschmack. Empfohlene Literatur: „Der Knabe im Brunnen“ Stefan Andres
Taschenbuch: 336 Seiten, Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Mai 2006), ISBN-13: 978-3423134590 http://www.amazon.de
Dieser Tipp wurde erstellt von Christina Kupczak. |