BILDERGEBÄRDEN

(Der Begriff BILDERGEBÄRDEN ist nach EU-Recht markengeschützt!)

„Gebärdensprache in der Sprachtherapie“

Entstehung

2004 erkundigten sich im damaligen PAX Pädagoginnen der Viktor-Frankl-Schule (Schule für Körperbehinderte) ob man Gebärdensprache auch für hörende, nicht-sprechende Kinder anwenden könne. In der Schule vergrößerte sich der Anteil nicht-sprechender Schüler und Schülerinnen, ebenso wurde für autistische Kinder und  Kinder mit körperlicher Behinderung eine neue Kommunikationsform gesucht. Lautsprache stellt für diese Kinder oft eine zu hohe Hürde dar.

Helena Maschanow

Helena Maschanow zeigt die von ihr angefertigte Gebärden-BilderwandHelena Maschanow

Deutsche Gebärdensprache (DGS), die eine eigene Grammatik und Syntax hat, ist für diese Gruppe von hörenden aber nicht-sprechenden Kindern nicht anwendbar. Kann man zwischen DGS und deutscher Lautsprache eine Methode konstruieren, die nicht in eine sinnentstellende 1:1 Übertragung, wie sie des öfteren im Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) praktiziert wird, mündet?

Im Dolmetschdienst der Regelschulprojekte (Integration gehörloser Kinder an einer Regelschule 1998 -2003) hatten wir bereits Erfahrungen gesammelt, wie man Deutsche Gebärdensprache mit Lautsprache verbinden kann. Dort erfuhren wir, wie hilfreich Lieder und Musik sind, wenn sie in der Kombination mit Gebärden gelernt werden. Musik trägt und verbindet, nimmt Hemmungen und schafft auch ein Gemeinschaftserlebnis.

In einem wöchentlichen Kurs mit Lehrerinnen und Sozialpädagoginnen der Viktor-Frankl-Schule entwickelte ich die ersten Grundlagen für BILDERGEBÄRDEN.

Bilder-Gebärdenkurs im LUKAS14

 

2007 wurden die GOLDIES gegründet, eine Gruppe von hörenden und hörgeschädigten Personen, die auf spielerischem Weg Gebärdensprache lernten. Wichtige Impulse kamen auch aus dieser Gruppe, vor allem wurde klar, dass spielerische Darstellung ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil für die neue Methode wurde.

Zu beachten war auch ein flexibler kreativer Umgang mit der Übertragung in Gebärdensprache, denn die Methode muss Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen erreichen. Zwischen 2004 – 2009 wurde die Methode erarbeitet und in Kursen, sowie in einem Projekt an der Viktor-Frankl-Schule in der Praxis erprobt.

2008 startete das Projekt „Gebärdensprache in der Sprachtherapie“ mit der hörgeschädigten Pädagogin Helena Maschanow an der Viktor-Frankl-Schule.

Initiatoren waren LUKAS 14 und der Integrationsfachdienst Gießen (www.ifd-giessen.de). Nach erfolgreicher Projektphase, wird diese Arbeit nun mit Hilfe der Stadt Frankfurt weitergeführt.

Die Erzieherinnen Wiebke W. und Sabine A. arbeiten erfolgreich mit Helena Maschanow Carolin W. stellte den Kontakt zu LUKAS14 her

 

Carolin W. stellte den Kontakt zu LUKAS14 her

Die  Methode  BILDERGEBÄRDEN

Zunächst zum Begriff: das Wort BILDERGEBÄRDEN soll anschaulich machen, dass die verwendeten Gebärden bildhaft sind und sich den Nutzern leicht erschließen. Gebärdensprache ist keine Pantomime, doch lassen sich die meisten Gebärden auf Bilder zurückführen, wobei diese Bilder „zitiert“, nicht wirklich dargestellt werden. Ob nun diese Bilder immer und hundertprozentig der Entstehung der Gebärden zugrunde liegen, ist für die Praxis unerheblich. Bildvorstellungen hinter den Gebärden helfen aber dem Lernenden und den Benutzern die Gebärden leichter zu behalten und korrekt auszuführen. So werden auch automatisch unsinnige Gebärden, die sich rein an der Lautsprache orientieren, ausgeschlossen.

BILDERGEBÄRDEN  bewegt sich zwischen Deutsch und DGS, wobei  DGS nach Möglichkeit der Vorzug gegeben wird. Zwingend ist jedoch die deutsche Grammatik, weil die Kinder hören und teilweise auch sprechen.

Die verwendeten Gebärden sind alles originale Gebärden der DGS. Was aus DGS zu integrieren ist, wurde übernommen: Mimik, Perspektivwechsel, Raumnutzung, Verneinung, Objektabhängigkeit, teilweise „Verortung“, Idiome usw. Die Methode setzt einen großen Gebärdenwortschatz voraus und ermöglicht es viele Übertragungsmöglichkeiten („Register“) zu ziehen.

Die Handformen haben bei BILDERGEBÄRDEN eine zentrale Stellung. Über die Handformen wird das visuelle Gedächtnis aufgebaut und die Beachtung von Wortfeldern erleichtert auch das „Einsortieren“ und die korrekte Unterscheidung der Vokabeln.

Die „Gebärde der Woche“ präsentiert mit Musik und GebärdeMusikalische Begleitung zur „Gebärde der Woche“

 

Musikalische Begleitung zur „Gebärde der Woche“

Wichtigster Transporter in der Methode sind aber Musik und Reim. Von Anfang an werden Lieder und Gedichte benutzt, weil diese dem Lernenden eine stabile Grundlage geben und verhindern, dass Hemmungen aufgebaut werden. Das spielerische Lernen führt zu schnellem Erfolg. Im ersten Jahr lernt man ca. 400 Gebärden und kann sich diese über Bilder und Handformen leicht merken.

Eine in der Praxis leicht benutzbare integrierte Verschriftungshilfe mit eingezeichneten Handformen, erleichtert das Rekapitulieren von Gebärdenwörtern und Texten. Der Unterricht erfolgt individuell an der Praxis der Lernenden orientiert.

Im Unterricht lernen die Teilnehmer/Innen auch mit gehörlosen Menschen zu kommunizieren.

Zielgruppe

Für wen ist diese Methode geeignet?

Kinder:         nicht-sprechende, autistische und körperbehinderte hörende Kinder

schwerhörige Kinder mit deutscher Lautsprache

Kinder mit Cochlea-Implant (CI)

Erwachsene:  Eltern, Erzieher/Innen und Lehrer/Innen der oben genannten Kinder

Logopädinnen, Physiotherapeut/Innen, Ergotherapeut/Innen

Erprobung in der Praxis

BILDERGEBÄRDEN wurde an der Viktor-Frankl-Schule seit 2005 erprobt .

Die schwerhörige Pädagogin und Regisseurin Helena Maschanow setzt die Methode dort als „Gebärdensprache in der Sprachtherapie“ mit Erfolg ein.

Neben der Arbeit mit Kindern der unterschiedlichsten Behinderungsarten und innerhalb des Klassenverbandes, unterrichtet Frau Maschanow einen Lehrer-Kurs und einen Kinder-Gebärdenchor. 

Einmal in der Woche nehmen die meisten Klassen an der „Gebärde der Woche“, einer gemeinschaftlichen Aktion teil.

Herr Dr. B. Rauscher vom Vorstand der Heinz und Gisela Friederichs-Stiftung (http://www.friederichs-frankfurt.de) besucht das Projekt. Die Friederichs-Stiftung hat in einer Anschub-Finanzierung die Arbeit von Helena Maschanow an der Viktor-Frankl-Schule möglich gemacht.

 

 

Zur Zeit lernen in drei Kursen LehrerInnen, PädagogInnen und Therapeutinnen die Methode BILDERGEBÄRDEN in LUKAS 14. Umgesetzt wird die Methode neben der Viktor-Frankl-Schule ebenfalls an der Mosaik-Schule in Niederursel seit 2008 und der neu gegründeten Schule für Kinder mit körperlichen Behinderungen in Nied.

 

BILDERGEBÄRDEN mit Helena Maschanow im LUKAS14

P1010746 - Kopie

 

Nach bisheriger Praxis kann man sagen, dass BILDERGEBÄRDEN

–         den Wortschatz und das Weltwissen der Kinder vergrößert

–         bei hörgeschädigten Kindern mit und ohne CI Wörtern Inhalte zuordnet

–         eine stressfreie Kommunikation ohne technische Hilfsmittel zwischen Kindern und Kindern und Erwachsenen ermöglicht

–         die Aggressivität wegen nicht vorhandener Kommunikation erheblich verringert

–         Selbstbewusstsein durch öffentliches Auftreten (Gebärdenlieder) stärkt

–         den Zugang  zur Lautsprache in Verbindung mit den Gebärden erleichtert

–         Freude gibt und Gemeinschaft begründet.

Bericht: „Gebärdensprache in der Sprachtherapie“ in SEHEN STATT HÖREN vom 13.03.2010, Moderation Thomas Zander, Regie Carla Kilian

Links:

Viktor-Frankl-Schule Frankfurt http://www.viktor-frankl-schule.de/

Mosaik-Schule Niederursel http://www.schulserver.hessen.de/frankfurt/mosaikschule/kontakt/index.html

Christina Kupczak

    lukas14.de Webutation