Kulturtipp Oktober 2017

Martin Luther (1483-1546)

 

Leben

Als erster (oder zweiter) Sohn von Hans und Margarethe Luder (ab 1512 schrieb er seinen Nachnamen „Luther“, vermutlich nach dem griech. Wort Eleutheros = der Freie) wurde Martin in Eisleben geboren, verbrachte aber seine ersten Lebensjahre in Mansfeld, wo der Vater, ein Bergmann, Hüttenmeister war. Er besuchte zunächst die Mansfelder Stadtschule und danach die Magdeburger Domschule. Von 1498 bis 1501erfolgte der Besuch der Pfarrschule zu St. Georgen in Eisenach, bevor er sein Studium an der Universität Erfurt begann (Septem artes liberales – Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie), das er 1505 mit dem „magister artium“ abschoss. Im gleichen Jahr begann er ein Studium an der juristischen Fakultät.

Am 2. Juli 1505 kehrte er von einem Besuch bei seinen Eltern nach Erfurt zurück und geriet bei Stotternheim in ein Gewitter. Aus Angst flehte er in Todesangst die heilige Anna um Hilfe an und versprach, Mönch zu werden, sollte er dieses Unwetter überstehen. Bereits am 17. Juli 1505 trat er in das Konvent der Augustiner Eremiten ein und befolgte die Regeln dort so streng, dass er bereits am 4. April 1507 zum Priester geweiht wurde. Luther beschäftigte sich eingehend mit dem Thema der Buße, vor allem mit der Problematik, dass wahre Vergebung nur aus Reue und Liebe zu Gott erfolgen müsse, nicht aber aus Angst vor Gottes Strafe. Sein Beichtvater Johann von Staupitz empfahl ihn daraufhin für ein Theologiestudium und versetzte ihn 1508 nach Wittenberg. Dort lernte er die Theologie Wilhelm von Ockhams über die Gottesfreiheit und menschliche Willensfreiheit, sowie die Kirchenväter (vor allem Augustinus) kennen.

Als Schlüsselerlebnis gilt die 1510/1511 angetretene Romreise (Grund hierfür war wohl die Klärung eines ordensinternen Unionstreites), in deren Rahmen er seine dritte Generalbeichte ablegte und auf Knien die „Heilige Treppe“ am Lateran zur Sündenvergebung erklomm. Hier dürften erste Zweifel an der kirchlichen Ablasspraxis entstanden sein.

1512 wurde Luther zum Doktor der Theologie promoviert und übernahm die Position seines Lehrers von Staupitz, eine Professur in Bibelauslegung, die er bis zu seinem Tode innehatte. 1514 wurde er Provinzialvikar. Luther hielt in dieser Zeit Vorlesungen über die Psalmen und die Paulusbriefe; in seiner Beschäftigung mit Röm 1.17 wird heute die Reformatorische Wende gesehen. Aus diesem Vers leitet Luther hat, das sich die Gerechtigkeit Gottes, „allein aus dem Glauben“ ableite. Gottes Gerechtigkeit ist ein Geschenk der Gnade, dass den Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus zuteilwerde.

Ab 1516 setzt sich Luther auch kritisch mit dem Ablass auseinander. Der Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg hatte eine Instructio summarium herausgegeben, eine Anweisung für Ablassprediger. Mit einem Teil der Ablassgelder wollte Albrecht seine Schulden bei den Fuggern bezahlen, die ihm das Kurfürstenamt finanziert hatten. Dies fand seinen Höhepunkt in Luthers 95 Thesen, die er am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schloßkirche von Wittenberg anschlug. Luther protestiert darin weniger gegen die Finanzpraktik des Ablasses (diese mißfiel auch Teilen der Fürsten) sondern gegen die damit verbundene Auffassung der Bußgesinnung.

Albrecht von Mainz, inzwischen Kardinal, zeigte Luther an, was im Oktober 1518 schließlich zum römischen Prozess führte, der, Dank des Einsatzes von Friedrich dem Weisen, nicht in Rom, sondern im Rahmen des Reichtstags in Augsburg stattfand. Luther weigerte sich jedoch zur Widerlegung und konnte sich nur mit Hilfe von Friedrich einer Verhaftung entziehen. Nach dem Tod Kaiser Maximilians 1519 ließ der Papst zunächst den Prozess ruhen (er wollte die Kaiserwahl abwarten). Trotz einer Thesenverteidigung Luthers im Rahmend der Leipziger Disputation und einer weitern Befragung durch Thomas Cajetan kam man zu keinem Ergebnis. Nach der Krönung Karl V. zum Kaiser wurde der Prozess gegen Luther 1520 wieder aufgenommen. Hatte sich Luther, dem Häresie vorgeworfen wurde, bis dahin noch nicht ausdrücklich gegen das Papsttum gestellt, spitze sich die Lage 1520 jedoch zu. Nach der Verbrennung der Schriften Luthers durch Albrecht reagierte Luther mit einer Verbrennung der gegen ihn gerichteten Bannandrohungsbulle von Papst Leo. Am 3. Januar 1521 wurde der Bann (Exkommunikation) ausgesprochen.

Wieder war es Friedrich der Weise, der sich für Luther einsetzte und ihm eine Verteidigung seiner Thesen auf dem Reichstag zu Worms ermöglichte, was am 17. April 1521 geschah. Die Aufforderung nach Widerruf quittierte Luther mit der Antwort: „[Da] mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, ich kann und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“ Über Luther wurde die Reichsacht verhängt; zu seinem Schutz ließ ihn Friedrich durch seine Soldaten am 12. Mai entführen und auf die Wartburg bringen, wo er bis März 1522 als „Junker Jörg“ blieb. Er begann mit der Bibelübersetzung.

Die ab 1521/22 einsetzenden Auswirkungen der Reformation entsprachen in vielen Dingen jedoch nicht Luthers Absichten. Weder vollzog er einen radikalen Bruch mit den katholischen Gottesdienstformen (mit einigen, allerdings entscheidenden, Abwandlungen behielt er sie sogar bei) noch beabsichtigte er Sozialreformen (im Gegensatz zu seinem Schüler Thomas Münzer, der sich den Bauernaufständen anschloss). Es kam zu Unruhen unter den Geistlichen , Mönchne und Nonnen flohen aus ihren Klöstern, auf Geistliche des alten Glaubens gab es übergriffe. Luther setzte sich dafür ein, dass die sog. „Zwickauer Propheten“ (zu ihnen gehörte Nikolaus Storch), die in Wittenberg die Reformation in ihrem Sinne vorantrieben wollten, die Stadt wieder verlassen mussten. 1524 gab Luther sein Mönchsleben auf, am 29. Oktober 1525 feierte er erstmals eine Deutsche Messe, bereits am 27. Juli 1525 hatte er die ehemalige Zisterzienserin Katharina von Bora geheiratet.

Spätestens durch die Bauernkriege 1524/1525 war die Reformation zum Politikum geworden (die Bauern hatten sich mit ihren 12 Thesen auf Luther berufen, was diesem nicht gefiel). Der Umgang mit den beiden Glaubensrichtungen gestaltete sich als schwierig. Auf dem Reichstag zu Speyer 1529 wollten die katholischen Reichsstände die Duldung der Evangelischen aufheben, wogegen fünf Fürsten und 14 Städte Protest einlegten – daher auch der Name „Protestanten“. Erst durch die „Confessio Augusta“, die Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 überreicht wurde, und an der Luther von der Veste Coburg aus mitwirken konnte (Hauptverantwortlicher war Philipp Melanchthon), konnte eine Konsolidierung der Reformation erreicht werden.

Während seiner letzten Lebensjahre war Luther hauptsächlich als Dozent und publizistisch tätig. Er starb am 16. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben.

 

Theologie

Die komplexe Theologie Luthers lässt sich systematisch oft mit dem vierfachen Sola/Solus zusammenfassen:

  • solus Christus: „Allein Jesus Christus“, der wahre Mensch und wahre Gott, schaffe durch seine stellvertretende Hingabe am Kreuz ein für alle Mal des Glaubenden Rechtfertigung und Heiligung, die ihm im mündlichen Evangelium und im Sakrament des Abendmahls zugeeignet werde. Dies ist der tragende Grund der übrigen drei Prinzipien:
  • sola gratia: „Allein durch Gnade“ ohne jedes eigene Zutun werde der Mensch von Gott gerechtfertigt.
  • sola fide: „Allein durch den Glauben“, die geschenkte (nicht geleistete) Annahme Jesu Christi, komme unser Heil zustande.
  • sola scriptura: „Allein die Heilige Schrift“ sei die Quelle dieses Glaubens an und Wissens von Gott und daher der kritische Maßstab allen christlichen Redens und Handelns. Sie sei aber von ihrer „Mitte“ Jesus Christus her kritisch zu beurteilen

 

Bibelübersetzung:

Zwischen 1521 und 1534 entstand die vollständige Übersetzung des Alten- und Neuen Testaments durch Martin Luther bzw. durch die Unterstützung seiner Kollegen und Schüler. Zwar war Luther nicht der erste, der die Bibel ins Deutsche übertrug, es existierten bereits 14 deutschsprachige Übersetzungen, diejenige Luthers unterscheidet sich vor allem in zwei Punkten:

  1. Als Quellen verwendete Luther in erster Linie die griechischen und hebräischen Originaltexte anstatt der lateinischen Vulgata, die er aber auch zurate zog.
  2. Ihm war weniger an einer Wort-für-Wort-Übersetzung als an einer sinnvollen Übersetzung gelegen (orientiert an seinen theologischen Vorstellungen). Dadurch wurde es ihm möglich in einer möglichst allgemein verständlichen Sprache zu übersetzen.

Zu letztgenanntem Punkt schreibt Luther in seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“ (1530): „Man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll Deutsch reden, wie diese Esel tun, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen; da verstehen sie es denn und merken, daß man deutsch mit ihnen redet.“ Hieraus leitet sich der Ausspruch: „dem Volk aufs Maul schauen“ ab. Darüber hinaus hat Luther für seine Bibelübersetzung Worte erfunden, die heute noch in unserem Sprachgebrauch existieren: „Feuertaufe“, „Bluthund“, „Selbstverleugnung“, „Machtwort“, „Schandfleck“, „Lücken-büßer“, „Gewissensbisse“, „Lästermaul“ und „Lockvogel“. Auch metaphorische Redewendungen wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „etwas ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im Schafpelz“ und „der große Unbekannte“ gehen auf ihn zurück.

 

Liturgie

Diese Verständlichkeit wollte Luther auch in die Liturgie übertragen, weshalb er die Form der Deutschen Messe schuf, die in weiten Teilen die damalige Form der römisch-katholischen Liturgie beibehält. Sein Verständnis des „Abendmahls“ vertritt, ebenso wie die Eucharistie, die Gegenwart Gottes in Wein und Brot, allerdings ohne das katholische Meßopfer zu übernehmen. Auch musikalisch ging Luther neue Wege (er selbst war ein guter Sänger und Lautinist, zu vielen seiner Lieder, 36 sind noch erhalten, komponierte er selbst die Melodie). Sie sollten sowohl inhaltlich verständlich sein (also in deutscher Sprache), aber auch vom Musikpraktischen her gut darzustellen sein.

 

(Autor: Lutz Riehl, Abschnitt über Theologie aus Wikipedia)


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