Kulturtipp Juli 2017

Eugen d’Albert: Die toten Augen

 

Eugène Francis Charles d’Albert, kurz Eugen d’Albert (* 10. April 1864 in Glasgow; † 3. März 1932 in Riga) war ein deutscher Komponist und Pianist französisch-englischer Abstammung.

D’Albert war der Sohn des Ballettkomponisten Charles d’Albert (1809–1886), der in Deutschland als Sohn eines französischen Vaters und einer englischen Mutter geboren worden war. Unter seinen Vorfahren befinden sich die italienischen Komponisten Giuseppe Matteo Alberti (1685–1751) und Domenico Alberti (um 1710–1740). Eugen D’Albert besaß bis 1918 die englische Staatsbürgerschaft und nahm dann die schweizerische an.[1] Er fühlte sich jedoch Deutschland verbunden, beherrschte die deutsche Sprache, vertonte ausschließlich deutsche Texte und bevorzugte die deutsche Form seines Vornamens.

Er erhielt Musikunterricht von seinem Vater, kam mit zehn Jahren an die New Music School in London und war dort Klavierschüler von Ernst Pauer, der von den pianistischen Fähigkeiten dieses Schülers beeindruckt war.

1881 lernte d’Albert Franz Liszt kennen, bei dem er in Weimar sein Klavierspiel vervollkommnete. Zahlreiche Konzertreisen schlossen sich an diese Ausbildung an, und d’Albert wurde besonders als Interpret der Werke Johann Sebastian Bachs und Ludwig van Beethovens berühmt. Sein teilweise recht willkürliches Spiel wurzelte noch ganz in der Virtuosentradition des 19. Jahrhunderts; seine Bach-Bearbeitungen wirken heutzutage antiquiert. Auch die ersten eigenen Kompositionen erschienen nun, darunter die Klaviersuite d-Moll op.1 (1883), sein erstes Klavierkonzert (1884), die Sinfonie F-Dur (1886) und das erste Streichquartett (1887). In dieser Zeit galt d’Albert als der bedeutendste Pianist der Gegenwart.[2] Regelmäßig trat er als Gastdozent und Solist bei Konzerten im Berliner Klindworth-Scharwenka-Konservatorium auf.

1893 wandte sich d’Albert mit dem Chorwerk Der Mensch und das Leben nach Otto Ludwig erstmals der Vokalmusik zu. Im selben Jahr wurde seine erste Oper Der Rubin nach Friedrich Hebbel uraufgeführt. Wie ihre Nachfolger Ghismonda (1895) und Gernot (1897) stand sie unter dem Einfluss Richard Wagners. Der heitere Einakter Die Abreise (1898) zeigte bereits eine eigene musikalische Sprache, doch der Durchbruch als Opernkomponist gelang erst mit Tiefland (1903), seiner meistgespielten Oper. Mit diesem Werk schuf d’Albert eine deutsche Variante des italienischen Verismus, die auch sein weiteres Opernschaffen bestimmte.

D’Albert schrieb 21 Opern und vernachlässigte für diese Arbeit mehr und mehr sein Klavierspiel, doch konnte er den Tiefland-Erfolg nicht wiederholen. Unter den späteren Werken ragen Die toten Augen (1916) und Der Golem (1926) heraus.

D’Albert war sechsmal verheiratet, unter anderem mit der Sängerin Hermine Finck und der Pianistin und Komponistin Teresa Carreño, mit der er 1891 bis 1895 in der Villa Teresa in Kötitz, (heute Stadtteil von Coswig) bei Dresden lebte. Für die Scheidung von seiner sechsten Frau reiste d’Albert aus rechtlichen Gründen nach Riga, wo er 1932 starb. Er ist auf dem Friedhof von Morcote (Schweiz) begraben.

 

 

Die toten Augen

Die toten Augen wurde 1913 nach einem Libretto von Hanns Heinz Ewers und Marc Henry fertiggestellt. Am 5. März 1916 wurde das Stück erfolgreich an der Hofoper in Dresden mit Friedrich Plaschke (Arcesius), Curt Taucher (Galba), Helena Forti (Myrtocle) und Grete Merrem-Nikisch (Arsinoe) uraufgeführt. Dirigent war Fritz Reiner. – Die entbehrlich wirkende Rahmenhandlung wird bei den selten stattfindenden Aufführungen heute meist weggelassen.

 

Die Handlung

Vorspiel

Hügelige, helle ländliche Gegend an einem Sommertag

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Bauern machen sich auf den Heimweg. Ein Hirte bemerkt, dass eines seiner Lämmer fehlt. Er bricht ungeachtet der Dunkelheit auf, es zu suchen.

Einziger Akt

Platz mit Brunnen vor einem römischen Landhaus

Arcesius hat es bis zum römischen Senator gebracht. Wegen seines entstellten Körpers und seiner harten Gesichtszüge wird er von seinen Mitmenschen als hässlich bezeichnet. Nur seine Frau, die schöne, aber blinde Myrtocle, hält ihn für einen gut aussehenden jungen Mann. Allzu gerne würde sie ihn einmal sehen wollen! Da vernimmt sie die Kunde von einem gewissen Jesus von Nazareth, der schon manche Blinde wieder sehend gemacht haben soll. Als er mit seinen Jüngern in Jerusalem einzieht, sucht sie ihn auf und wird geheilt. Jesus aber prophezeit ihr, dass sie ihn verfluchen werde, noch ehe die Sonne zur Neige gehe. – Myrtocle ignoriert diese Worte, eilt in ihr Haus, betrachtet sich im Spiegel und macht sich schön für ihren geliebten Mann (Psyche wandelt durch Säulenhallen).

Kurz darauf kehrt Myrtocles Gatte Arcesius mit Hauptmann Aurelius Galba von einer Sitzung bei Pontius Pilatus zurück. Galba ist schon lange heimlich in die rassige Myrtocle verliebt. Wäre er nicht Arcesius‘ bester Freund, hätte er Myrtocle längst sein Verlangen nach ihr gestanden. Von Arsinoe, der Sklavin Myrtocles, erfahren die beiden von der Wunderheilung. Arcesius trifft diese Nachricht wie ein Schlag. Er will sich nicht vorstellen, wie seine Frau reagieren werde, wenn sie ihn sieht, „entstellt, hinkend, hässlich und missgestalt!“

Als Myrtocle aus dem Haus tritt, versteckt sich Arcesius rasch hinter dem Brunnen. Galba bleibt stehen und starrt Myrtocle regungslos an. Diese aber glaubt, dass Galba ihr geliebter Gatte sei. Sie eilt auf ihn zu und umarmt ihn glühend. Nach anfänglichem Zögern kann Galba seinen Gefühlen nicht mehr widerstehen. Er reißt sie an sich und erwidert heiß ihren Kuss. Jetzt ist es Arcesius, der sich nicht mehr zu halten vermag. Mit einem Aufschrei rasender Wut und Verzweiflung stürzt er auf seinen Freund, fasst ihn mit beiden Händen an der Kehle, reißt ihn zu Boden und erwürgt ihn. Anschließend ergreift er die Flucht.

Von ihrer Sklavin erfährt schließlich Myrtocle, wer hier ermordet wurde und dass das missgestaltete Tier, das Galba getötet hat, ihr Gatte ist. Nun erfüllt sich Jesu Prophezeiung: Sie verflucht ihn. Unentwegt starrt sie in die Abendsonne, bis sie geblendet ist. Arcesius kehrt zurück und geleitet sie, die jetzt wieder der Hilfe bedarf, ins Haus.

Wird die Oper mit dem Vorspiel aufgeführt, dann folgt noch eine kurze Szene: Der Hirte hat das verirrte Lamm gefunden und trägt es nach Hause.

Die Musik

Das Orchester ist groß besetzt, neben einer umfangreichen Bläserbesetzung in Holz und Blech, sowie Streichern und Perkussion, gehören auch Cembalo und Orgel dem Instrumentarium an. Die Klangsprache Eugen d’Alberts zeichnet sich einerseits durch das Weiterführen der Klangsprache Richard Wagners aus sowie durch die Hinwendung zum Verismo (Verismus). Der  Verismo  hat seine Wurzeln in der italienischen Literatur des 19. Jahrhunderts, griff aber rasch auch auf die italienische bzw. europäische Oper über. Diese Richtung ist dem Naturalismus sehr ähnlich. Inhaltlich führt sie von den Heldenfiguren weg zu Figuren des Alltags bzw. Anti-Helden (La Traviata, Carmen, La Boheme), auch Leidenschaften und Brutalität werden ungeschminkt dargestellt (Tosca). Musikalisch zeichnet sich der Verismo durch eine breitgefächerte und farbenfrohe Orchestrierung aus, die ins Rauschhafte münden kann. In den Toten Augen ist dies beispielsweise an der Stelle der Fall, da Myrtocle sehend wird. 

 

Text: Wikipedia, zusammengestellt von Lutz Riehl


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