Kulturtipp April 2017

Osterspaziergang in New York

 

Jedes Jahr am Ostersonntag verwandelt sich die 5th Avenue in New York in ein buntes Treiben von Leuten mit lustigen Hüten. Mit die bekannteste Straße der Stadt wird zwischen der 49. und 57. Straße für den Verkehr gesperrt, und eine Oster-Parade bewegt sich langsam von Süden nach Norden, vorbei an vielen Zuschauern am Straßenrand, die sich dieses einmalige Ereignis nicht entgehen lassen wollen. Dabei ist diese Parade im Gegensatz zu vielen anderen der Stadt weit weniger organisiert: es gibt keinerlei Festwagen oder Kapellen, dafür kommen inzwischen Menschen aus der ganzen Welt hierher, um ihre Hut-Kreationen zu präsentieren. Und jedermann ist eingeladen, sich der Parade anzuschließen!  

Die New Yorker Oster-Parade hat ihren Ursprung in den 1870er Jahren. Damals war es noch ein religiös geprägtes Ereignis, wo man nach dem Gottesdienst von Kirche zu Kirche zog. Zum einen, um die mit Blumen österlich geschmückten Gotteshäuser zu bewundern, zum anderen aber auch, um seine schicken neuen und sehr modischen Kleider vorzuführen. Anfang des 20. Jahrhunderts hagelte es dann auch Proteste von arbeitslosen Arbeitern, die sich in heruntergekommenen Klamotten der Parade anschlossen und auch mit Transparenten auf ihre schlechte Situation hinwiesen. Die Kosten eines in der Parade getragenes Kleides entsprachen ungefähr der Sozialhilfe, die der Arbeitslose in einem Jahr für sich und seine Familie zur Verfügung hatte.

1933 hat der amerikanische Komponist Irving Berlin für eine Broadway-Revue das Lied „Easter Parade“ geschrieben, das das Wesen der Oster-Parade sehr gut eingefangen hat. Das Lied war später auch Teil des gleichnamigen Musical-Films mit Fred Astaire und Judy Garland („Osterspaziergang“).

Mitte des 20. Jahrhunderts war der religiöse Aspekt der Veranstaltung dann weitestgehend verflogen und man sah die Oster-Parade hauptsächlich als eine Demonstration des amerikanischen Wohlstands an. Doch auch das hat sich inzwischen relativiert, und es handelt sich weitestgehend nur noch um eine fröhliche und ausgelassene Zurschaustellung von meist selbst gebastelten und teilweise österlich geschmückten Hüten für Mensch und Tier, das sogenannte „Easter Bonnet Festival“.

 

 

 

 

 

 

Text und Fotos: Thomas Walz
Informationen: Wikipedia


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