DER KULTURTIPP FÜR DEN ALLTAG

Unser Kulturtipp empfiehlt kleine Reisen, Ausflüge in und um Frankfurt, Gedichte, Bildbetrachtungen und Bücher.
Wer Sinn für Kultur hat, erfährt damit eine “Insel” im Alltag, die jederzeit zu bereisen ist, oft sogar kostenlos.
Mit diesen Mitteln können Antworten auf Probleme gegeben werden, die uns ständig belagern. Wir wollen mit dieser Seite Kultur vermitteln, die “greifbar ” ist, in unserem Umfeld liegt und auch nicht teuer ist. Die empfohlenen Bücher sind nicht so umfangreich und im Alltag lesbar. Besonders wollen wir den reichen Schatz der Lyrik wieder ins Bewusstsein unserer Leser bringen

DER KULTURTIPP FÜR DEN ALLTAG

Die Kleinreisen sind alle von Frankfurt aus als Tages- oder Wochenendausflug zu organisieren. Frankfurt ist die einzige Großstadt in Deutschland mit einer unglaublich abwechslungsreichen Landschaft vor den Toren der Stadt:
Hessisches Ried, Odenwald, Spessart, Mainfranken, Kinzigtal, Vogelsberg, Wetterau, Marburger Land, Taunus, Rheingau und Mittelrhein, Rheinhessen, Nordpfalz sind in maximal einer Stunde Anfahrt zu erreichen.

Lesen Sie selbst……




Kulturtipp Februar 2012

Erstellt von Christina Kupczak und Gisela Paluch

DER   FASTNACHTSBRUNNEN   IN  MAINZ

Der Mensch braucht Aus- Zeiten, braucht Zeiten, in welchen er sich von den Anforderungen des Alltags, von Regeln und vom „Ernst des Lebens“ erholt. Diese Zeit ist in unserer Kultur Fastnacht/  Fasenacht  (=  die Nacht vor dem Fasten )  oder Karneval ( carne vale= Fleisch ade ). Anschaulich zeigen schon die Begriffe, dass es mit Fastnacht ein abruptes Ende haben wird:  mit dem Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit.

Zwei große Traditionskreise der Fasenacht, des Karnevals gibt es in Deutschland: Die SCHWÄBISCH- ALEMANNISCHE  FASNET, die in Süddeutschland und der Schweiz beheimatet ist, sie geht auf vorchristliche Bräuche und auf das  Winteraustreiben zurück. Diese Tradition mit traditionellen Kostümen, Masken und Ritualen ist uralt.

Dem gegenüber ist der RHEINISCHE  KARNEVAL mit den Karnevals-Hochburgen MAINZ, KÖLN und DÜSSELDORF gerade mal 160 Jahre alt. Entstanden ist diese Form der Fastnacht aus der Zeit der Restauration, des 19. Jahrhunderts, als die Obrigkeit die Ideen und Errungenschaften der Französischen  Revolution, der ersten Demokratiebewegungen und das Aufstreben eines selbstbewussten Bürgertums zu unterdrücken suchte. Das Rheinland war preußisch besetzt und das preußische Militär allgegenwärtig. Daraus, aber auch aus den Garden der Französischen Revolution, welche das linke Rheinland besetzt hatten, entstanden die Fastnachtsgarden mit ihren grotesken Märschen, dem Exerzieren und dem Gardetanz. Am Rhein hatte die Bevölkerung ihre eigene Art, sich über das Militär und den Obrigkeitsstaat lustig zu machen. Die Büttenreden sind den gewaltigen Kanzelrednern abgeguckt, die Umzüge den Prozessionen. Katholizismus und Fastnacht sind eng verknüpft, besonders wenn diese auf römischem Kulturboden entstand. Wer darüber mehr wissen möchte, dem sei ein Besuch beim MAINZER  FASTNACHTSBRUNNEN  auf dem Schillerplatz, im Herzen der Stadt empfohlen.

Hier wird am 11.11. um 11.11 Uhr eines jeden Jahres die neue Kampagne ausgerufen, die am Aschermittwoch des folgenden Jahres endet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der FASTNACHTSBRUNNEN  zeigt die  ganze Kulturgeschichte des RHEINISCHEN  KARNEVALS in einem überquellenden Figurenbrunnen, vor dessen Tumult und Vielfalt der Betrachter erst einmal ratlos steht. 1967 hat der Bildhauer  BLASIUS  SPRENG diese überschäumende Form gewählt, die noch mehr in Bewegung gerät, wenn die Wasserkaskaden aus dem Figurenturm sprudeln.

Auf  5 Säulen steht der Brunnen, ganz unten drückt sich ein Kater herum,  (Sinnbild des „dicken Kopfes“ nach viel Alkoholgenuss ) und ein Geldbeutelwäscher, der nach den Fastnachtstagen seinen leeren Geldbeutel betrüblich „wäscht“, daneben der Weintrinker, der sich am Rheinwein erfreut.

Auf den Säulen sind Reben abgebildet, aber auch Türen und Fenster, aus denen die Figuren geradezu herausstürzen, sie sind regelrecht „aus dem Häuschen“.

Ein römischer Schreiber notiert alles, die Römer haben den Wein an den Rhein gebracht. Es geht drunter und drüber im 9 m hohen Figurenturm: Ein Engel hält das Mainzer Wappen, die singenden Handwerker schauen aus einem Turmfen-ster, ein Schiffswagen mit Maskenköpfen fährt vorbei, zwei Frauenbeine tanzen über dem Elferrat, Till und Bajaß, die beiden Mainzer Fastnachtsgestalten sind mit Laterne und Spiegel in Aktion, ein „Paragraphenreiter“ sitzt verkehrt herum auf einem Esel, Weck, Worscht und Wein erscheinen als die typische Narren-nahrung, hoch oben schwebt das Dichterross, ein Pegasus, während unten gedankenvoll ein Mönch seines Weges geht. Die Mainzer Hofsänger schmettern ein Fastnachtslied und auch St. Martin mit Bettler, der Schutzpatron des Mainzer Doms fehlt nicht. Frankreich wird durch den gallischen Hahn dargestellt, während Vater Rhein gemütlich im Getümmel lagert, umgeben von Rheintöchtern und Hagen, der gerade den Nibelungenschatz im Rhein versenkt.  Hoch oben grüßen die römischen Götter Apoll, Bacchus und Venus.

Fastnacht ist eben mehr als nur ein lautes Getümmel. Der Fastnachtbrunnen zeigt uns 2 000 Jahre Kulturgeschichte, „Spaßgeschichte“ , manches leicht, anderes tiefsinnig, Lachen ist eine wirksame und heilsame Waffe gegen Arroganz, Nörgelei und Wichtigtuerei, der Mensch lernt, sich nicht so schrecklich ernst zu nehmen. Man könnte auch modern sagen: Gruppen – und Ergotherapie……..wobei die Ausübenden gleichermaßen Therapeuten und Patienten sind. Auch das ist Tradition.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Folgende Geschichte werden Sie NICHT in den Evangelien finden, jedoch ist sie gut erfunden………

UND  FÜHRE  UNS  NICHT  IN  VER………………

Jesus und seine Jünger zogen kreuz und quer-

halfen Menschen, Kindern und Tieren

und einer hatte die Kasse zu führen

für Unterkunft und Verzehr.

 

Eines Tages sagte der:

„ Ich mach´ das nicht mehr.

Für mich gibt´s wichtigere Sachen !

Das soll mal ein anderer machen!“

 

Außerdem fehlt noch ´n Betrag über zwei

Groschen Salböl, für die Füße des Meisters!“

 

Einer aus der Masse

zunächst noch ganz klein

übernahm die Kasse ( au fein )

Dachten die Jünger – hatten die Hände frei

halfen den Menschen – und gaben auch Geld aus -

und zwar  meistens in bar.

Bis der Vorrat der Handkasse aufgebraucht war.

 

Nun schickten sie Petrus zum Kassierer –

der hieß inzwischen „Kassenführer“.

Und hatte Kassenstunden eingeführt.

Petrus war sichtlich peinlich berührt.

Doch nun waren Formulare auszufüllen.

Und Petrus tat´s  – um der Armen willen.

Der Kassenführer wollt´ seh´n  was sich machen lässt.

Aber eines stand fest.

Und das verspricht er:

„ Ohne Antrag läuft bei uns nichts mehr!“

„Wieso sagst du wir? Seid ihr denn jetzt zwei?“

„ Ja, Petrus. Wir haben noch einen dabei!“

Einen Verwaltungsassistenten .

Den finanzier´n wir über Spenden.“

 

„Und die Kasse stimmt! Ganz ohne Frage!

Und es besteht überhaupt kein Grund zur Klage!

Wir haben schon Rücklagen gemacht!

Wär´ doch gelacht!

 

Nächste Woche tagt der Verwaltungsrat !

Danach kannst  du holen dir den Betrag.

Sag´ aber Jesus, er soll den Betrag begründen.

Und ´ne beschlussreife  Vorlage finden!“

 

„ Der will´s aber jetzt. und es ist doch auch sein´s!

Er braucht´s für die Armen.

Und es ist doch nicht dein´s!“

-schreit Petrus………….der andere gelassen:

„Ihr habt euch dem Haushaltsrecht anzupassen!“

Von euch lassen wir uns nicht reinreden.

Also Antrag stellen und weggetreten!“

 

Und der geht mit leeren Taschen zurück.

Und berichtet von seinem Missgeschick.

 

Und die Jünger schimpfen. Ein Sturm bricht los.

Sie brüllen: „Du Trottel! Wie konntest Du bloß?“

 

Und die Wogen sie gingen  hoch und tief.

Und Jesus lag hinten im Boot und schlief.

 

Schließlich, nach etwas Supervision

beruhigten sie sich und machten das schon.

Und schrieben den Antrag und spitzten den Stift –

und weckten Jesus – zur Unterschrift.

 

Doch  wie schon im Sturm, behielt er die Nerven

und ordnete an – Ballast abzuwerfen.

Nahm Stift, Statuten und Schriftverkehr

und warf den ganzen Mistkram ins Meer.

 

Kniete nieder und betet in demütiger Haltung:

„ Führe o Herr, uns nicht in Verwaltung!“

 

( Verfasser unbekannt )

 




Kulturtipp Januar 2012

Erstellt von Lutz Riehl

 

Neuerscheinung:

Sende uns Engel – Ein Liederbuch mit Einführung in die Gebärdensprache

 

Dass die Gebärdensprache schon lange nicht mehr nur ein elementares Verständigungsmittel gehörloser Menschen darstellt hat die Vereinsarbeit von LUKAs 14 in den vergangenen Jahren im zunehmendem Maße betont. Nicht zuletzt dank des regen Engagements des Integrativen Gebärdenchors Liebfrauen (IGeL) zeigt sich die große Nähe der Gebärdensprache zur Musik. Über ihre Möglichkeiten der reinen Verständigung hinaus besitzt sie auch einen hohen ästhetischen Wert, der auch für den musikalischen Ausdruck fruchtbar gemacht werden kann.  Der Integrative Gebärdenchor Liebfrauen richtet sich mit seiner Arbeit in erster Linie daher nicht an Hörgeschädigte, obwohl diese natürlich auch angesprochen werden sollen, sondern an musikinteressierte Menschen, die nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten suchen. Dies zeigt sich bereits an der Zusammensetzung des Chores, zu dem neben Hörgeschädigten und Nicht-Behinderten auch eine sehbehinderte Teilnehmerin gehört. Vielfach kam der Wunsch auf, die durch den Gebärdenchor dargestellten Lieder selbst in den Gebärden nachvollziehen zu können.

 

Mit dem Buch Sende uns Engel, das im Januar 2012 erscheint, möchte LUKAS 14 interessierten Chören, Kirchenmusikern und Laien eine Anleitung bieten, um selbst Lieder gebärden zu können. Dabei sollen zwei beiliegende DVDs die Möglichkeit zur Anschauung und zum selbstständigen Üben geben. Das Buch gliedert sich in drei Teile. Am Anfang stehen drei einführende Artikel, die zum einen über die Arbeit von LUKAS 14 im allgemeinen sowie über die Gründe zur Erstellung des Buches im Besonderen informieren. Der zweite Abschnitt ist der Einführung in die Deutsche Gebärdensprache gewidmet. Neben historischen Hintergründen zur Gebärdensprache stehen vor allem deren Struktur sowie elementare Grundformen (wie beispielsweise das Fingeralphabet) im Vordergrund. Für eine übersichtliche Darstellung der einzelnen Gebärden wurde von Christina Kupczak, Stefan Richter, Marion Spengler und Detlef Wasel eine eigene Verschriftung entwickelt, die in Verbindung mit den beiliegenden DVDs den interessierten Lesern einen Einstieg in die Gebärdensprache erleichtern  soll. Den dritten Teil bilden schließlich 25 ausgewählte geistliche Lieder, die in Noten wie in Gebärdenverschriftung dargestellt sind. Die Auswahl berücksichtigt dabei die Gottesdienstliturgie, die verschiedenen Festkreise im Jahresablauf (Advent, Weihnachten, Ostern, Pfingsten), sowie allgemeine Lieder. Neben traditionellen Kirchenliedern wie „Lobe den Herren“ oder „Erfeue dich, Himmel“ sind auch viele Beiträge aus dem Bereich des Neuen Geistlichen Liedes wie „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ oder auch „Bewahre uns, Gott“ enthalten. Das Lied „Viele waren ihm gefolgt“, das für das „Frankfurter Evangelienspiel 2009“ entstand, wird in diesem Buch erstmals veröffentlicht.

Das theoretische Wissen kann mithilfe der beiden DVDs praktisch nachvollzogen werden Auf der ersten DVD befindet sich ein Theorie- und Lehrteil, der mit einer von Gebärdensprachdolmetscher Stefan Richter  anschaulich gestalteten Einführung ansetzt, die die Ausführungen im Buch noch einmal praktisch unterstreicht. Im Zentrum dieser DVD stehen jedoch die im Buch abgedruckten Lieder und Gebete, die von Stefan Richter und Sina Reulein vorgestellt werden, musikalisch werden sie dabei von Kirchenmusiker Peter Reulein (Gesang und Orgel) unterstützt. Die zweite DVD enthält das Feature „Mit Herz und Hand“, für das Filmemacher Josef Kirchmeyer dem Integrativen Gebärdenchor bei Proben und Auftritten über die Schulter geschaut hat, doch auch die Mitglieder selbst kommen zu Wort und berichten über ihre Motivation, sich in dieser Gemeinschaft einzubringen. Beide DVDs sind auch für Hörgeschädigte zugänglich, da sämtliche gesprochenen Passagen mit Dolmetschereinblendungen (ebenfalls von Stefan Richter gestaltet) versehen sind. Eine Empfehlung für alle, die sich für neue Wege musikalisch-ästhetische Gestaltungsmöglichkeiten interessieren.

 

Sende uns Engel  -  Ein Liederbuch mit Einführung in die Gebärdensprache

25 Lieder mit 2 DVDs

 

2012, 72 Seiten, 21 cm x 29,7 cm

Hrsg. v. Christina Kupczak, LUKAS 14

Erschienen im Dehm-Verlag

ISBN 978-3-9812050-8-4

Preis 29,90 €,  ab 10 Expl. 2 3,90 €

 

Bestellung möglich unter:

http://www.neuesgeistlicheslied.de/Sende-uns-Engel.asp

 

 

 




Kulturtipp Dezember 2011

Erstellt von Lutz Riehl

Magnificat

Das Magnificat gehört zu den bekanntesten Texten des Christentums. Der Name rührt vom lateinischen Beginn dieses Textes „magnificat anima mea Dominum (zu Deutsch Meine Seele preist die Größe des Herrn). Es handelt sich um das Loblied Mariens, dass diese nach dem Besuch bei ihrer Base Elisabeth in Hinblick auf deren prophetische Worte anstimmt (Lk 1,46-55). Es gehört neben dem Benedictus – Lobgesang des Zacharias (Lk 1,68-79) und dem Nunc dimitis – Gesang des Simon im Tempel (Lk 2,29-32) zu den drei Cantica des Lukasevangeliums, die sich inhaltlich alle um das Weihnachtsereignis gruppieren. Der Text in lateinischer und deutscher Sprache lautet:

 

 

 

Latein Deutsch
Magnificat anima mea Dominum,
et exsultavit spiritus meus in Deosalvatore meo.
Quia respexit humilitatemancillae suae.
Ecce enim ex hoc beatam me dicent omnes generationes.
Quia fecit mihi magna, qui potens est,
et sanctum nomen eius.
Et misericordia eius in progenies et progenies timentibus eum.
Fecit potentiam in brachio suo,dispersit superbos mente cordis sui.Deposuit potentes de sede
et exaltavit humiles.
Esurientes implevit boniset divites dimisit inanes.
Suscepit Israel puerum suum,
recordatus misercordiae.
Sicut locutus est ad patres nostros,
Abraham et semini eius in saecula.
Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott,meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

In seinem Aufbau erinnert das Magnificat erkennbar an die alttestamentlichen Psalmen, auch Anlehnungen an das Danklied der Hannah aus dem 1. Buch Samuel (1. Sam 2,1-11) sind möglich, weshalb ein Vergleich beider Texte durchaus lohnt.

 

Danklied der Hanna

1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils.

2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.

3 Lasst euer großes Rühmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen.

4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.

5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, welkt dahin.

6 Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.

7 Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht.

8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt.

9 Er wird behüten die Füße seiner Heiligen, aber die Gottlosen sollen zunichte werden in Finsternis; denn viel Macht hilft doch niemand.

10 Die mit dem HERRN hadern, sollen zugrunde gehen. Der Höchste im Himmel wird sie zerschmettern, der HERR wird richten der Welt Enden. Er wird Macht geben seinem Könige und erhöhen das Haupt seines Gesalbten.

11 Und Elkana ging heim nach Rama in sein Haus; der Knabe aber war des HERRN Diener vor dem Priester Eli.

Auch die Situation, in der dieses Gebet erklingt ist der des Magnificat sehr ähnlich. Hanna, die Mutter Samuels, betet es als sie ihren Sohn, wie sie es versprochen hat, dem Tempel in Schilo übergibt. Beide Texte stammen somit von Müttern, deren –Söhne zu Höherem berufen sind, wofür sie Gott lobpreisen. Auch textlich lassen sich Ähnlichkeiten feststellen, etwa die Heiligung des Namens des Herren, oder die Erhöhung der Armen mit dem Sturz der Reichen.

 

Interpretation

Gerade die Vertreter der dialektischen Theologie stellten den schroffen Gehalt dieses neutestamentlichen Psalmes immer wieder fest: Karl Barth legte das Magnificat während der Adventszeit 1962 in der Strafanstalt Basel im Rahmen eines Gefängnisgottesdienstes aus und meinte zusammenfassend: In ein Haus, in welchem die Mühseligen und Beladenen, die Armen und Elenden, die wirklich Hungrigen wohnen – und also in ein Haus wie das, in dem wir uns gerade befinden – passt so recht das Weihnachtsfest. Nur in ein solches Haus! Aber in ein solches ganz sicher!

Dietrich Bonhoeffer schreibt über das Magnificat: Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen wurde. Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen, sondern es ist die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht … ein hartes, starkes, unerbittliches Lied von stürzenden Thronen und gedemütigten Herren dieser Welt, von Gottes Gewalt und von der Menschen Ohnmacht.

Helmut Gollwitzer überschrieb eine Predigt über das Magnificat mit den Worten: Gott ist der Revolutionär und stellte dann fest: Gott wirbelt immer wieder alles durcheinander, und das Wechselspiel der Geschichte, das wir zu allen Zeiten beobachten, ist sein Werk.

In der feministischen Theologie und in der Befreiungstheologie spielt das Magnificat ebenfalls eine große Rolle: Wilhelm Fuhrmann stellt fest, dass der Rahmen des Magnificats „eine Geschichte von zwei Frauen – ohne Mann“ darstellt [9]. Fuhrmann interpretiert das Lied der Maria befreiungstheologisch als ein Revolutionslied, das auf die totale Veränderung der Zustände und Verhältnisse zielt: Den Armen und Ohnmächtigen soll geholfen werden, und zwar auf Kosten der Reichen und Mächtigen. Wilhelm Fuhrmann findet es beachtlich, dass dieses Weltrevolutionslied von Lukas einer Frau in den Mund gelegt wird. Maria erlebt durch die Geburt Jesu ihre Ent-Niedrigung.

Dorothee Sölle spinnt den Gedanken der Befreiung von Frauen ebenfalls weiter: Mein Geist wird aus der Verängstigung herauskommen. Die leeren Gesichter der Frauen werden mit Leben erfüllt und wir werden Menschen werden. … Die Herrschaft der Männlichen über die Weibchen wird ein Ende nehmen und aus Objekten werden Subjekte werden.

 

 Liturgischer Ort

Das Magnificat entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des Stundengebetes. Während es in der Ostkirche vor allem im Morgenlob (Laudes) einen festen Platz besitzt (z. B. im Othros der byzantinischen Kirche). In der römischen Liturgie hat das Magnificat in der Vesper einen festen Platz, wofür sich in der Benediktinerregel ein früher Beleg findet: in Laudes und Vesper sind Cantica aus dem Neuen Testament vorgesehen, die sich inhaltlich mit Lob und Dank für die Erlösung auseinandersetzen sollen.

Innerhalb des Kirchenjahres tritt das Magnificat zum einen am Fest Maria Heimsuchung (2. Juli) in Erscheinung. Darüber hinaus gehört es zu jenen zentralen Texten, die auf das Weihnachtsereignis hinführen, weshalb es auch einen festen Platz in der Adventszeit besitzt. Zu spüren ist dies in den Vertonungen von Johann Sebastian Bach und John Rutter, die in ihren Kompositionen des Magnificat auch Weihnachtslieder verarbeitet haben.

 

 Kirchenmusik

Die zentrale Stellung des Magnificat in Theologie und Liturgie beförderte auch eine ausführliche musikalische Beschäftigung mit diesem Text, die in der Variante des Gregorianischen Chorales noch heute intensiv gepflegt wird. Die erste mehrstimmige Vertonung kann für das 14. Jahrhundert nachgewiesen werden, von da an beschäftigen sich nahezu alle namhaften Komponisten von Kirchenmusik mit diesem Text. Zu den berühmtesten Vertonungen des Magnificat zählt die Version von Johann Sebastian Bach, die dieser für das Fest Maria Heimsuchung im Jahr 1723 aufführte, im gleichen Jahr wurde das Werk auch am ersten Weihnachtstag gespielt, für diesen Anlass fügte Bach Einschübe mit Weihnachtsliedbearbeitungen ein.

Vielfach wurde das Magnificat als Bestandteil ganzer musikalischer Vespern komponiert, zu den berühmtesten Beispielen hierfür zählen die Marienvesper von Monteverdi, zwei Vespern von Wolfgang Amadeus Mozart (aus ihnen stammt auch sein berühmtes Laudate dominum). Eine große Tradition der musikalischen Vesper findet sich in der Liturgie der angelikanischen Kirche, die in der englischen Kirchenmusik zu einer großen Anzahl von Kompositionen des Evening Service geführt hat (er beinhaltet ein Magnificat und ein Nunc dimitis), inspiriert davon schuf auch Felix Mendelssohn-Bartholdy einen solchen Eveneing Service.

Auch im 20. Jahrhundert galt dem Magnificat von Seiten der Komponisten großes Interesse. Jacques Berthier schuf für das tägliche Gebet der Communauté de Taizé mehrere Fassungen (vierstimmige Chorsätze, Kanons) des Magnificats, die in vielen europäischen Gesangbüchern und meditativen Liturgien Einzug gehalten haben, auch der protestantische Kirchenkomponist Hugo Distler schuf ein Magnificat für den kichrlichn Gebrauch.

Doch auch im Bereich der Konzertmusik erfreute sich das Magnificat einer ungebrochenen Beliebtheit, zu den bedeutenden Schöpfern von Magnificat-Vertonungen gehören Krzysztof Penderecki (1974), Arvo Pärt (1989) und John Rutter (1990). Vor allem die letzgenannte Version verdient erwähnung, da sie sich knapp 20 Jahre nach ihrer Uraufführung (am 26. Mai 1990 in der Carnegie Hall in New York) neben Bachs Weihnachtsoratorium zu einem der beliebtesten Chorwerke in Weihnachtskonzerten entwickelt hat. Die Musik John Rutters orientiert sich eng an der englischen Chortradition des 19. Jahrhunderts, wobei er gerade in seinem Magnificat auch Rückgriffe auf andere Vorbilder vorgenommen werden. So fügt er, ähnlich wie Bach, ein Weihnachtslied ein, das aus dem mittelalterlichen England stammt: Of a rose. Ebenso finden sich Anlehnungen an den gregorianischen Choral aber auch an die festlichen Marienprozessionen in Spanien und Lateinamerika, wie die Fanfarenklänge und der von Schellenkränzen geschlagene Rhythmus im ersten Satz des Werkes eindrucksvoll belegen.

 

Erstellt von Gregor Leonhardt
Auf dem Bauplatz des techn. Rathauses steht bis 23.12.2011 ein wahrhaftesMärchenhaus. Schön anzusehen und es ist 200 Jahre alt und aus der Nähe von Warschau (Polen). Es werden dort täglich 22 Märchen von den Brüder Jacob und Wilhelm Grimm für Kinder, Kinder-Erwachsene und abends nur für Erwachsene gespielt. Ein Theaterprojekt von Christian Schulz und David Regehr  vom Hexenkessel Hoftheater (Berlin). Karten kosten zwischen 4-12 Euro.

Infos unter 069-99992010 oder Märchenhaus am Dom.

 




Kulturtipp November 2011

Kulturtipp erstellt von Uli Ehmcke

Staatspark Wilhelmsbad

Der im Nordwesten von Hanau gelegene Staatspark Wilhelmsbad ist zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Ausflugsziel. Nach dem Auffinden einer Quelle, der eine heilende Wirkung zugesprochen wurde, beauftragte der hessische Landgraf Wilhelm IX./I. den Baumeister Franz Ludwig Cancrin, eine Kuranlage zu errichten.  Die verschiedenen Kurgebäude sind  zwischen 1777 und 1782 im frühklassizistischen Stil erbaut worden. Bereits im Jahre 1820 kam der Kurbetrieb zum Erliegen. Wilhelmsbad gilt als die besterhaltene Kuranlage des 18. Jahrhunderts in Deutschland.

 

 

 

 

 

 

 

Im  Arkadenbau ist heute das hessische Puppenmuseum untergebracht. In einem anderen Gebäude befindet sich das 1781 errichtete Komödienhaus, das nach den alten Plänen liebevoll restauriert wurde und nach wie vor als Theater genutzt wird. In Park steht  eine künstliche Burgruine, die der Landgraf während des Kurbetriebs als Wohnsitz  nutzte. Sie ist ein Ausdruck für die romantische Stimmung der damaligen Zeit. Neben der Burgruine befindet sich auf einer kleinen Insel im See eine steinerne Pyramide, die der Landgraf zum Gedächtnis an seinen mit zwölf  Jahren verstorbenen ältesten Sohn Friedrich aufstellen ließ.  Außerdem gibt es einen künstlichen Aussichtsberg, den Brunnentempel, die Eremitage, den Musikpavillon, die Kettenbrücke und viele andere Dinge zu entdecken. Ein Kleinod ist das alte Karussell aus dem Jahre 1780, das auf einem Hügel im Park sichtbar ist. Es wurde zunächst von Ochsen und Pferden angetrieben und im Jahre 1898 mit einem Motor versehen. Kutschen und Holzpferde aus der damaligen Zeit sind noch erhalten. Momentan wird das Karussell aufwendig restauriert und soll im Jahre 2013 wieder voll funktionsfähig sein. Zwei bereits restaurierte Holzpferde sind im Fürstenbau zu besichtigen, in den sich auch die Parkverwaltung befindet.

 

 

 

 

 

 

 

Hanau-Wilhelmsbad ist von Frankfurt aus mit der Regionalbahn RB55/RE55 erreichbar. Im alten  Bahnhofsgebäude von  Hanau-Wilhelmsbad („Fürstenbahnhof“) befindet sich heute ein empfehlenswertes Restaurant mit großem Biergarten, das zum Verweilen einlädt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Literatur und Hinweise im Internet:

1)     Staatspark Wilhelmsbad Hanau, Broschüre 15, Edition der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens, 1. Auflage 2002

2)     Dehio Hessen, Deutscher Kunstverlag, 1975

3)     Staatspark Wilhelmsbad http://www.schloesser-hessen.de/55.html

(Auf dieser Homepage befinden sich  weitere Links zum hessischen Puppenmuseum, zum Förderverein des Karussells und dem Komödienhaus.)