Erstellt von Christina Kupczak und Gisela Paluch
DER FASTNACHTSBRUNNEN IN MAINZ
Der Mensch braucht Aus- Zeiten, braucht Zeiten, in welchen er sich von den Anforderungen des Alltags, von Regeln und vom „Ernst des Lebens“ erholt. Diese Zeit ist in unserer Kultur Fastnacht/ Fasenacht (= die Nacht vor dem Fasten ) oder Karneval ( carne vale= Fleisch ade ). Anschaulich zeigen schon die Begriffe, dass es mit Fastnacht ein abruptes Ende haben wird: mit dem Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit.
Zwei große Traditionskreise der Fasenacht, des Karnevals gibt es in Deutschland: Die SCHWÄBISCH- ALEMANNISCHE FASNET, die in Süddeutschland und der Schweiz beheimatet ist, sie geht auf vorchristliche Bräuche und auf das Winteraustreiben zurück. Diese Tradition mit traditionellen Kostümen, Masken und Ritualen ist uralt.
Dem gegenüber ist der RHEINISCHE KARNEVAL mit den Karnevals-Hochburgen MAINZ, KÖLN und DÜSSELDORF gerade mal 160 Jahre alt. Entstanden ist diese Form der Fastnacht aus der Zeit der Restauration, des 19. Jahrhunderts, als die Obrigkeit die Ideen und Errungenschaften der Französischen Revolution, der ersten Demokratiebewegungen und das Aufstreben eines selbstbewussten Bürgertums zu unterdrücken suchte. Das Rheinland war preußisch besetzt und das preußische Militär allgegenwärtig. Daraus, aber auch aus den Garden der Französischen Revolution, welche das linke Rheinland besetzt hatten, entstanden die Fastnachtsgarden mit ihren grotesken Märschen, dem Exerzieren und dem Gardetanz. Am Rhein hatte die Bevölkerung ihre eigene Art, sich über das Militär und den Obrigkeitsstaat lustig zu machen. Die Büttenreden sind den gewaltigen Kanzelrednern abgeguckt, die Umzüge den Prozessionen. Katholizismus und Fastnacht sind eng verknüpft, besonders wenn diese auf römischem Kulturboden entstand. Wer darüber mehr wissen möchte, dem sei ein Besuch beim MAINZER FASTNACHTSBRUNNEN auf dem Schillerplatz, im Herzen der Stadt empfohlen.
Hier wird am 11.11. um 11.11 Uhr eines jeden Jahres die neue Kampagne ausgerufen, die am Aschermittwoch des folgenden Jahres endet.



Der FASTNACHTSBRUNNEN zeigt die ganze Kulturgeschichte des RHEINISCHEN KARNEVALS in einem überquellenden Figurenbrunnen, vor dessen Tumult und Vielfalt der Betrachter erst einmal ratlos steht. 1967 hat der Bildhauer BLASIUS SPRENG diese überschäumende Form gewählt, die noch mehr in Bewegung gerät, wenn die Wasserkaskaden aus dem Figurenturm sprudeln.
Auf 5 Säulen steht der Brunnen, ganz unten drückt sich ein Kater herum, (Sinnbild des „dicken Kopfes“ nach viel Alkoholgenuss ) und ein Geldbeutelwäscher, der nach den Fastnachtstagen seinen leeren Geldbeutel betrüblich „wäscht“, daneben der Weintrinker, der sich am Rheinwein erfreut.
Auf den Säulen sind Reben abgebildet, aber auch Türen und Fenster, aus denen die Figuren geradezu herausstürzen, sie sind regelrecht „aus dem Häuschen“.
Ein römischer Schreiber notiert alles, die Römer haben den Wein an den Rhein gebracht. Es geht drunter und drüber im 9 m hohen Figurenturm: Ein Engel hält das Mainzer Wappen, die singenden Handwerker schauen aus einem Turmfen-ster, ein Schiffswagen mit Maskenköpfen fährt vorbei, zwei Frauenbeine tanzen über dem Elferrat, Till und Bajaß, die beiden Mainzer Fastnachtsgestalten sind mit Laterne und Spiegel in Aktion, ein „Paragraphenreiter“ sitzt verkehrt herum auf einem Esel, Weck, Worscht und Wein erscheinen als die typische Narren-nahrung, hoch oben schwebt das Dichterross, ein Pegasus, während unten gedankenvoll ein Mönch seines Weges geht. Die Mainzer Hofsänger schmettern ein Fastnachtslied und auch St. Martin mit Bettler, der Schutzpatron des Mainzer Doms fehlt nicht. Frankreich wird durch den gallischen Hahn dargestellt, während Vater Rhein gemütlich im Getümmel lagert, umgeben von Rheintöchtern und Hagen, der gerade den Nibelungenschatz im Rhein versenkt. Hoch oben grüßen die römischen Götter Apoll, Bacchus und Venus.
Fastnacht ist eben mehr als nur ein lautes Getümmel. Der Fastnachtbrunnen zeigt uns 2 000 Jahre Kulturgeschichte, „Spaßgeschichte“ , manches leicht, anderes tiefsinnig, Lachen ist eine wirksame und heilsame Waffe gegen Arroganz, Nörgelei und Wichtigtuerei, der Mensch lernt, sich nicht so schrecklich ernst zu nehmen. Man könnte auch modern sagen: Gruppen – und Ergotherapie……..wobei die Ausübenden gleichermaßen Therapeuten und Patienten sind. Auch das ist Tradition.



Folgende Geschichte werden Sie NICHT in den Evangelien finden, jedoch ist sie gut erfunden………
UND FÜHRE UNS NICHT IN VER………………
Jesus und seine Jünger zogen kreuz und quer-
halfen Menschen, Kindern und Tieren
und einer hatte die Kasse zu führen
für Unterkunft und Verzehr.
Eines Tages sagte der:
„ Ich mach´ das nicht mehr.
Für mich gibt´s wichtigere Sachen !
Das soll mal ein anderer machen!“
Außerdem fehlt noch ´n Betrag über zwei
Groschen Salböl, für die Füße des Meisters!“
Einer aus der Masse
zunächst noch ganz klein
übernahm die Kasse ( au fein )
Dachten die Jünger – hatten die Hände frei
halfen den Menschen – und gaben auch Geld aus -
und zwar meistens in bar.
Bis der Vorrat der Handkasse aufgebraucht war.
Nun schickten sie Petrus zum Kassierer –
der hieß inzwischen „Kassenführer“.
Und hatte Kassenstunden eingeführt.
Petrus war sichtlich peinlich berührt.
Doch nun waren Formulare auszufüllen.
Und Petrus tat´s – um der Armen willen.
Der Kassenführer wollt´ seh´n was sich machen lässt.
Aber eines stand fest.
Und das verspricht er:
„ Ohne Antrag läuft bei uns nichts mehr!“
„Wieso sagst du wir? Seid ihr denn jetzt zwei?“
„ Ja, Petrus. Wir haben noch einen dabei!“
Einen Verwaltungsassistenten .
Den finanzier´n wir über Spenden.“
„Und die Kasse stimmt! Ganz ohne Frage!
Und es besteht überhaupt kein Grund zur Klage!
Wir haben schon Rücklagen gemacht!
Wär´ doch gelacht!
Nächste Woche tagt der Verwaltungsrat !
Danach kannst du holen dir den Betrag.
Sag´ aber Jesus, er soll den Betrag begründen.
Und ´ne beschlussreife Vorlage finden!“
„ Der will´s aber jetzt. und es ist doch auch sein´s!
Er braucht´s für die Armen.
Und es ist doch nicht dein´s!“
-schreit Petrus………….der andere gelassen:
„Ihr habt euch dem Haushaltsrecht anzupassen!“
Von euch lassen wir uns nicht reinreden.
Also Antrag stellen und weggetreten!“
Und der geht mit leeren Taschen zurück.
Und berichtet von seinem Missgeschick.
Und die Jünger schimpfen. Ein Sturm bricht los.
Sie brüllen: „Du Trottel! Wie konntest Du bloß?“
Und die Wogen sie gingen hoch und tief.
Und Jesus lag hinten im Boot und schlief.
Schließlich, nach etwas Supervision
beruhigten sie sich und machten das schon.
Und schrieben den Antrag und spitzten den Stift –
und weckten Jesus – zur Unterschrift.
Doch wie schon im Sturm, behielt er die Nerven
und ordnete an – Ballast abzuwerfen.
Nahm Stift, Statuten und Schriftverkehr
und warf den ganzen Mistkram ins Meer.
Kniete nieder und betet in demütiger Haltung:
„ Führe o Herr, uns nicht in Verwaltung!“
( Verfasser unbekannt )